:: Die Nanny ::

Teil 1

:: Juliaana ::

Es ist 13:00 Uhr und Juliaana sitzt zu Hause, als sie einen unerwarteten Anruf bekommt.
„Ja?“
„Ich habe einen riesigen Auftrag für dich.“ Es ist ihr Chef.
„Wirklich? Um wen geht’s?“
„Um eine Familie namens Ylönen. Zwei Kinder. Junge und Mädchen.“
„Wie alt sind sie?“
„Der Junge Zwei und das Mädchen Fünf. Der Vater ist fast nur unterwegs und für die Mutter ist es einfach zu viel, wobei sie auch berufstätig ist und ihren Job nicht aufgeben will.“
„Wie haben die beiden es denn die letzten Jahre geschafft?“ will Juliaana wissen, obwohl es ihr eigentlich völlig gleichgültig sein sollte.
„Die Großmutter. Doch sie ist vor kurzem verstorben.“
„Ach so. Wo wohnt die besagte Familie?“
„Helsinki. Etwas außerhalb. Großes Haus mit Garten. Einen Hund.“
„Aha, gut.“ Sie macht sich einige Notizen.
„Es gibt nur einen Hacken.“
Juliaana schluckt. Das hatte sich bis jetzt doch so gut angehört!
„Die Mutter ist öfters auf Geschäftsreise und deshalb müsstest du auch mal  eine Woche oder länger deiner Arbeit nachgehen.“
Die junge Frau atmet durch. „Ach, das ist doch kein Problem, du weißt, ich bin nicht abhängig und flexibel. Mich hält nichts in meiner kleinen Wohnung.“
„Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann!“
„Wann soll ich anfangen?“
„Frau Ylönen hat uns morgen um vier Uhr eingeladen. Ich werde dich vorstellen und schnell den Papierkram erledigen, dann kannst du dich gleich mit den Kindern vertraut machen.“

Teil 2

:: Laina ::

„Was du willst schon los?“ Laina blickt traurig in die Augen ihres Mannes. Sie kann nicht fassen, dass er schon wieder weg muss, obwohl er doch gerade erst gekommen war.
„Tut mir leid, Schatz.“ Er gibt ihr einen flüchtigen Kuss und verschwindet aus der Haustür.
Laina seufzt. Naja, eigentlich wusste sie doch von Anfang an worauf sie sich einlassen würde, doch, dass so wenig Zeit für romantische Zweisamkeit bleibt, hätte sie nicht gedacht. …Und vor allem so wenig Zeit für die Kinder.
…Andererseits ist sie doch genauso. Ihr Job ist halt wichtig. Sie will keine typische Hausfrau sein, die kocht putzt und auf die Kinder aufpasst… Aber wie es scheint, ist Familie und Karriere doch nicht so leicht unter einen Hut zu bekommen, sonst hätte sie ja kein Kindermädchen arrangieren müssen.
Hoffentlich ist es eine nette Frau… sie will sich nicht nach einer Anderen umsehen müssen, es soll mal beim ersten Mal klappen! Dann bleibt ihr mehr Arbeit erspart…
Die junge Mutter stellt den fertigen Tee auf den Wohnzimmertisch und deckt das noble Porzellan auf, was Lauri ihr gekauft hat.
Gleich kommt die Frau, die ihr endlich den halben Stress abnehmen wird! Dann kann sie sich voll und ganz wieder auf ihren Job konzentrieren und hat keine Sorgen, dass es den Kindern schlecht geht und ihre alte Mutter überfordert sein könnte. Es war zwar ein großer Schock mit dem plötzlichen Tod der Oma, der Kinder, doch kann sie jetzt in Frieden ruhen und brauch sich nicht mehr mit ihrem Schwiegersohn streiten, den sie auf den Tod nicht ausstehen konnte…
Laina schaut noch mal kurz nach den Kindern. Als sie sieht, dass Niilo immer noch friedlich schläft und Saara brav mit Puppen spielt, geht sie wieder runter in die Küche um den Kuchen zu schneiden.
Punkt 16:00 Uhr ist sie mit allen Vorbereitungen fertig und es klingelt an der Haustür. Nervös öffnet die blonde Frau sie und ein dünner schwarzhaariger Mann mit braunen Augen steht davor. „Guten Tag. Kiiro Hames mein Name, wir hatten telefoniert.“ Er reicht Laina die Hand und streitet dann ein Stückchen zur Seite. Hinter ihm kommt eine junge, freundlich lächelnde Frau zum Vorschein. Ihre dunkelbraunen langen Haare sind zu einem strengen Zopf zusammengefasst und sie trägt typische schwarz-weiße Hausmädchen-Kleidung. „Sie müssen Juliaana sein, herzlich Willkommen.“ Laina ist begeistert. Ihre Auswahl macht schon gleich den Anschein, sehr sympathisch zu sein.

Teil 3
:: Juliaana ::

Frau Ylönen führt Juliaana und Kiiro in ein geräumiges Wohnzimmer. Es ist sehr hell gestaltet, mit einigen roten Accessoires und vielem indirektem Licht. Na, wenn da kein Architekt ein Wörtchen mitzureden hatte…
Nach der Bitte, Platz zu nehmen, setzt sich Juliaana neben ihren Chef an den Kaffeetisch und schaut sich nach dem um, warum sie eigentlich hier ist… den Kindern!
Doch es ist niemand zu sehen. Überhaupt herrscht eine Totenstille. Ob sie überhaupt da sind?
Etwas nervös streift sie ihren halblangen Rock zurecht und legt die Hände danach ordentlich übereinander auf ihren Schoss.
„Sie wird dich schon nehmen, keine Sorge. Du bist einfach perfekt, es hat sich noch nie jemand beschwert, das weißt du.“ flüstert ihr Kiiro aufmunternd zu.
Er hat Recht. Sie hat bis jetzt noch nie etwas falsch gemacht! `Ihren` Kindern ist noch nie irgendetwas zu gestoßen…
Aufmerksam hebt sie den Kopf, als Frau Ylönen wieder aus der Küche kommt und sich gegenüber von beiden niederlässt. „So, dann erzählen Sie mal. Wo waren Sie die letzten Jahre so beschäftigt?“

:: Laina ::

Diese Frau ist unglaublich… einfach perfekt! Sie bringt so viel Erfahrung und Flexibilität mit, dass Laina nicht mal `Nein` sagen könnte, wenn das Kindermädchen hässlich wäre. Doch, dass ist sie keinesfalls.

Als ob es Niilo es gewusst hätte, fängt er genau in dem Moment an zu schreien, als sie dem letzten Satz ihres `Lebenslaufes` zu Ende gebracht hat.
Du junge Mutter nimmt das Babyfon und bittet Juliaana doch gleich mal mit zu kommen, um ihr die Kinder vorzustellen.
Freudig erhebt sich die Brünette und folgt Laina nach oben.

Teil 4

:: Juliaana ::


„Hallo, ich bin Saara. Kann ich dich Nanny nennen? Die Kinder im Fernsehen tun das auch immer.“
Juliaana ist verblüfft über die sofortige Offenheit der Fünfjährigen. „Natürlich darfst du.“ lächelt sie freundlich und wirft einen kurzen Blick durch das große Zimmer des Mädchens. Es ist sehr ordentlich, was eigentlich untypisch für ein Zimmer vom Kinde dessen Alters ist.
„Spielst du gerne Barbie?“ reist Saara sie aus ihren Gedanken und hält eine  dieser Puppen mit extra langen blonden Haaren hoch.
„Na klar! Spielen wir nachher ja? Ich muss nur noch mal kurz mit deiner Mama runter.“
„Okay.“ zufrieden wischt sie sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht, dreht sich um und geht wieder in ihre Spielecke.
Im gleichen Augenblick betritt Frau Ylönen, mit dem schniefendem Niilo auf dem Arm, dem Raum und bittet Juliaana wieder mit runter zu kommen, da ihr Sohn Hunger hat. Da könne sie sich doch gleich unter Beweiß stellen…

:: ::

Juliaana steht mit dem Zweijährigen in der  Küche und wärmt die Milch in der Mikrowelle auf, während die Mutter und Kiiro das Schriftliche erledigen.
Das Kindermädchen wird zum Schluss nur ihre Unterschrift darunter setzten, nicht mehr! Sie hat vollstes Vertrauen in Kiiro.
„Ding ding ding“ brabbelt Niilo und streckt seine Ärmchen nach dem Wärmegerät aus. Kurz darauf erklingt genau dieses Geräusch daraus und der kleine Junge freut sich, indem er in die Hände klatscht und laut quiekt.
Juliaana muss kurz laut auflachen, bei diesem süßen Anblick. Sie liebt diese Kinder jetzt schon!

Teil 5

:: Juliaana ::

Sie ist alleine… alleine mit den Kindern versteht sich. Frau Ylönen… nein Laina – Sie hatte ihr nämlich gleich das `Du` angeboten- hatte noch einen ganz dringenden Termin und, dass Kiiro nicht bleiben würde, war ja klar.
Es ging schneller als erwartet. Meistens musste Juliaana dann eine Woche, nachdem ersten Treffen anfangen und nicht sofort dableiben… bis abends um zehn…
Interessiert es den Vater eigentlich gar nicht, wer hier auf sein eigenes Fleisch und Blut aufpasst?!
Lächelnd lehnt sie in der Tür der kleinen Saara und beobachtet sie, wie sie die Barbie den Kan küssen lässt. Saara selbst hat ihre Nanny noch nicht bemerkt.
„Hey.“ macht sich Juliaana bemerkbar. Das Mädchen dreht sich blitzschnell um, lässt ihre Puppen fallen und wird leicht rot.
„Kommt dein Papa heute auch noch nach Hause?“ fragt die Brünette, als hätte sie nichts gesehen.
„Nein, Papi hat noch nen Auftritt, hat Mama gesagt.“ traurig nimmt sie die blonde Barbie und streicht dessen Haare zurecht. „Aber der is ja fast nie da.“ fügt sie noch leise hinzu.
„Wollen wir mit deinem Bruder auf den Spielplatz? Mh… hast du Lust?“ fragt das Kindermädchen schnell um die Kleine abzulenken.
Alle `ihre` Kinder hat sie bis jetzt darunter leiden sehen… wieso die Eltern das bloß nicht verstehen?! Nun gut… sonst hätte sie aber keinen Job…
„Au ja!“ Saara springt freudig auf. „Mama wollte mit uns immer mal da hingehen.“
„Ach ihr ward noch nie da?“
„Nö.“
„Wie lange wohnt ihr denn schon hier?“
„Ich, schon immer.“
Juliaana ist sichtlich geschockt. Die Mutter war noch nie auf einem Spielplatz mit ihren Kindern? Sie kam ihr ganz anders vor….
„Also, ich war schon mal alleine da… nach dem Kindergarten, aber das weiß Mami nicht.“ Das Mädchen schaut schuldbewusst zu Boden.
„Keine Sorge, ich sag ihr nichts. Kannst du schon Schuhe binden?“
„Natürlich.“ Da ist aber jemand stolz…
„Dann geh schon mal runter und ziehe die an. Ich komm mit deinem Bruder nach.“
„Okay.“ Wie ein Flitzebogen rennt sie an Juliaana vorbei, die Treppe runter.

:: ::

Es ist bereits halb sieben, als sie wieder nach Hause kommen. Es hat länger gedauert als geplant… doch die Kinder hatten so viel Spaß, da konnte sie es nicht einfach abbrechen!
Aber die Kleinen kommen ja pünktlich sieben Uhr ins Bett, also, was solls?!
Juliaana will gerade die Haustür aufschließen, als diese plötzlich von Innen aufgerissen wird und ein schwarzhaariger Mann ihr gegenübersteht.
„H..Hallo.“ stottert sie nach dem kurzen Schock.
Er mustert sie schnell und schüttelt dann den Kopf. „Sie hat es echt gemacht…eine Nanny… das glaub ich jetzt nicht…“ mit diesem Gemurmel rauscht er, ohne ein Wort an seine Kinder zu verlieren, an den Drein vorbei.

Teil 6

:: Juliaana ::

„Papa?“ ruft Saara noch hinterher und er dreht sich kurz um. „Gewöhn dich bloß nicht zu sehr an sie, Saara! Sie wird nicht lange bleiben!“ Herr Ylönen hat gerade das letzte Wort ausgesprochen, da steigt er in einen Kleinbus, wessen Scheiben getönt sind und zieht die Tür zu.
„Also… das ist euer Vater, ja?“
Saara nickt.
„Nett.“ lügt Juliaana knapp und öffnet die Tür. Verliert sie wirklich bald diesen Job?

:: am nächsten Tag ::

Juliaana ist in ihrem Schlafzimmer und stopft Sachen für die Nacht in ihren Rucksack.
Laina muss zwei Tage weg, nach Stockholm… ganz plötzlich.
Nun gut, der jungen Frau macht es ja nichts aus. Außerdem ist deren Haus sowieso viel schöner als ihre Wohnung.
Sie schultert die gepackte Tasche und macht sich auf den Weg zu S-Bahn.

:: ::

„Essen steht noch auf dem Herd, von heute Mittag, also wenn du Hunger hast?“ Laina beginnt ihre Jacke anzuziehen. „Und wenn du Morgen nicht kochen möchtest ist in der Truhe ist noch genug Pizza… oder ihr bestellt euch einfach etwas.“
„Ja, ist gut.“ lächelt Juliaana und öffnet der Mutter die Tür.
„Gut, dann viel Spaß. Ich bin Sonntagabend wieder da.“
„Ja, dir auch. Bis dann.“

Juliaana geht hoch ins Saaras Zimmer und setzt sich auf den kleinen roten Kinderstuhl. „Wollen wir heute irgendwas Schönes machen?“ fragt sie, den Blick auf Niilo und seine Schwester gerichtet.
„Weiß nicht.“ zuckt sie mit den Schultern und auch Niilo blinzelt nur mit seinen grünen großen Augen vor sich hin.
„Nagut, ich überleg mir was.“
„Saaraaaaaa….!!!! Niiloooooooooooo!!!“ ruft jemand gut gelaunt von unten.
Beide werden hellhörig. Wer ist das? Ihr Vater?

Teil 7

:: Juliaana ::

Die Kinder flitzen lachend nach unten.
Unsicher begibt sich Juliaana zu dem Gellender, von dem man hinunter ins Wohnzimmer sehen kann, und erkennt einen großen schlanken Mann, mit kurzen dunkelblonden Haaren. Wer ist das? Wie ist er hier rein gekommen? Ist Herr Ylönen auch irgendwo?
Sie kann beobachten wie Saara ihm freudig in die Arme läuft und er sie einmal kurz durch die Luft schleudert.
Und Niilo? Wo ist er? Die Antwort kommt gerade aus der Küche. Lauri, er hat ihn auf dem Arm und setzt ihn gleich darauf ab. „Los Eero, wir müssen los!“
„Mann, Lauri nen paar Minuten haben wir doch noch oder.“
„Papa, Huckepack, Huckepack, bitte.“ Niilo streckt seine Ärmchen hoch.
„Jetzt nicht. Später! Papa muss arbeiten.“
„Hast du nicht gesagt, du hast ne fremde Frau im Haus? Wo ist sie denn?“
„Äh, achso, ja“ beide schauen sich suchend nach Juliaana um und Eero bleibt als Erster ab ihren rehbraunen Augen hängen. „Ach Hallo, Sie sind also die Nanny?“ Er winkt freundlich nach oben.
Das Kindermädchen hebt kurz schüchtern die Hand und entgegnet ihm ein „Hi, ja das bin ich.“ Gezwungen macht auch sie sich auf den Weg nach unten. Ist doch sonst unhöflich, jetzt wo beide sie schon gesehen haben.
„Und Saara wie findest du sie“ fragt der `fremde` Mann das Kind auf seinem Schoß. „Sie ist super. Wir waren sogar schon auf dem Spielplatz.“
„Wow echt? Das ist ja cool“ lächelt er und schaut zu Lauri, der nur die Augen verdreht. „Können wir jetzt?“
Juliaana setzt sich den quengelnden Niilo auf die Schultern.
„Siehst! Meine Kinder werden jetzt nur noch verwöhnt!“ stießt der Vater vorwurfsvoll aus.
„Besser verwöhnt, als wenn man sich gar nicht um sie kümmert!“
Die Brünette schaut den gereizten kurzhaarigen Mann erstaunt an. Dieser Satz hätte von ihr sein können, doch hat sie ihn nur unterdrückt.
„Willst du mich jetzt hier als schlechten Vater hinstellten?“
„Wenn du es so willst, ja! Und dazu noch als schlechten Ehemann! Du bist fast den ganzen Tag nur im Studio, Proberaum oder sonst wo. Manchmal bist du da auch ganz alleine, wäre es nicht besser, in dieser Zeit, sich um die Familie zu kümmern, wie ich das mache?“
„Saara komm wir gehen hoch.“ Das Kindermädchen fasst mit einer Hand Niilos Bein, damit er nicht runterfällt und nimmt mit der anderen des Mädchens Hand. Die Zwei müssen das hier jetzt nicht mitkriegen… Doch als sie von innen die Tür von Saaras Zimmer geschlossen hat, hört man immer noch das Gegröle.
„Wann soll ich denn dann bitte die Songs schreiben, hä?“
„Dafür ist genug Zeit zwischen durch… und sowieso, wir brauchen im Moment nichts Neues, du hast haufenweise Songs im Proberaum liegen, wenn ich das richtig gesehen habe.“
„Eero, misch du dich nicht in meine Familie mit ein! Kümmere dich um deinen eigenen Scheiß!“
Juliaana rammelt die Tür auf, geht ein paar Schritte und schaut zu den Männern herunter. „Können Sie das bitte woanders klären?“
Herr Ylönen schaut sprachlos zu ihr hoch.
„Ja, Lauri, sie hat Recht. Komm wir müssen sowieso los.“
„Ich lasse mich doch nicht von einer Putze aus meinem Haus werfen!“
Innerlich brodelt Juliaana. Sie ist keine Putze!!! In ihrem Job braucht man viel Erfahrung und Geduld. Wenn er wüsste, was das manchmal bedeutet…
„Lauri, halt die Klappe. Geh schon!“ Eero… oder wie er heißt…. drängt Lauri Richtung Tür.
„Ich komme nachher wieder, Mädchen! Dann reden wir noch mal über deine Art, wie du mit mir umzugehen hast!“

Teil 8


:: Lauri ::

„Eero, du verstehst das nicht.“
„Oh doch, das tue ich sehr wohl… du wurdest nicht gefragt… wegen der Nanny oder?“
„Nicht direkt, ich hab des von Laina eher als Scherz aufgefasst, weil ich der Meinung bin, dass wir das auch alleine hinbekommen, mit den Kindern…“
Eero fängt ungläubig an zu lachen. Der Sänger schaut ihn schief von der Seite an und steigt die Treppen zum Proberaum rauf. „Du weißt gar nicht wie das ist.“
„Nein, gar nicht… hab ja auch nur ein Kind und Frau.“
„Bei dir ist aber die Frau wenigstens auch zu Hause, wenn du von der Arbeit kommst.“
„Ach so, willst du, dass Laina wegen dir alles aufgibt?“
„Sie ist eine Frau… wer sonst sollte den Haushalt schmeißen und sich größtenteils um die Kinder kümmern?“
„Du bist echt dumm, Lauri, mich wundert’s echt, dass dich noch kein schlechtes Gewissen plagt.“
Lauri öffnet die angelehnte Tür mit einem leichten Tritt. „Wieso?“
„Weil du gerade die Frau, die am wenigsten dafür kann, die nämlich nur ihren Job macht, angefaucht… nein, sogar bedroht hast! Hallo Jungs.“ begrüßt Eero kurz seine Freunde Aki und Pauli, die an der Gitarre rumfummeln, und wendet sich wieder zu Lauri, der eine Augenbraue gehoben hat. „Das war keine Drohung. Sie soll nur merken, dass sie hier nicht erwünscht ist. Sie kann wo anders ihrem Job nachgehen, nicht in meinem Haus!“
„Boah, Junge, das kotzt mich echt langsam an, `mein Haus`, `meine Kinder`, `meine Frau`, im Moment hast du sie zwar, aber glaub mir, bevor du dich versieht, ist Laina mit den Kindern verschwunden… Sei froh, dass sie gerade noch ein wenig blind und voller Hoffnungen an dich ist, aber DAS macht keine Frau länger mit!“
Lauri schaut erstaunt zu seinem Freund, von dem er nicht erwartet hätte, dass er ihm in den Rücken fallen würde. Aki und Pauli schauen aufmerksam auf. „Wollen… wir das… auch morgen verschieben?“ fragt Pauli vorsichtig.
Bevor der Sänger irgendwas antworten kann, ergreift Eero wieder das Wort. „Ja, auf morgen verschieben, das ist gut. Lauri, du gibst mir deinen Schlüssel, ich schließe hier alles ab und du gehst jetzt nach Hause! Schick deine Nanny heim und kümmere dich um Saara und Niilo!!“
„Bist du mein Vater oder was? Ich kann selbst entscheiden was ich jetzt mache! Und den Schlüssel gib ich dir sicherlich nicht!“
Eero blickt grinsend zu Aki und Pauli, die nur leicht mit dem Kopf nicken.
„Gut, Sturkopf! Aber du weißt, dass du gegen uns drei nicht ankommst.“

Teil 9

:: Juliaana ::

Sie sitzt mit den Kindern am Wohnzimmertisch und spielt Memory. „Nein, Niilo, die Bilder müssen gleich sein. Leg den Bären wieder hin. Du brauchst die Blume.
Der Junge leckt sich über die Lippen und nickt… befolgt, was Juliaana gesagt hat.
Saara ist nicht zu stoppen. Sie erhällt ein Pärchen nach dem anderen.
Als es für das Kindermädchen und Niilo wieder mal schlecht aussieht, wird unerwartet die Tür aufgeschlossen.
Juliaana hat die letzten Worte des Vaters gerade vergessen, da schießen sie ihr jetzt wieder in ihren Kopf und sie muss kräftig schlucken, als er das Haus betritt, die Tür zu schmeißt und seufzend seine Schuhe in die Ecke feuert. Er wirft einen kurzen genervten Blick zu ihr und den Kindern. Dann steigt er die Treppen hoch und verschwindet.
„Er geht sowieso gleich wieder.“ sagt Saara traurig und beginnt ihre Pärchen zu zählen.
„Ähm… habt ihr eigentlich Hunger?“ An das Essen hatte Juliaana gar nicht mehr gedacht. Sie isst selbst ja nicht viel. „Wie ist es mit Pizza? Die ist doch jedes Kind gerne oder?“
„Ja, leckerschmecker!“ freut sich Saara und die junge Frau steht auf, um schon mal den Ofen vorzuheizen. Als sie dann auch -nach langem Suchen- die Pizza gefunden hat, entfernt sie die Folie und legt den mit Salami gefrorenen Teig in den hitzigen Ofen.
Kurz schaut sie noch mal auf die Uhr und verlässt dann wieder die Küche.
Auf dem Sofa findet sie nun nicht mehr nur die Kinder, sondern auch einen liegenden Vater vor, der den Fernseher angeschaltet hat.
„Papa, schalt doch mal auf Kika, bitte!“
„Ihr hattet den ganzen Tag Zeit zum Gucken, jetzt bin ich mal dran.“ sagt er genervt und bleibt an einem Actionfilm hängen. Niilo grabbelt währenddessen auf seines Vaters Bauch, legt sich hin und schließt die Augen. Saara sitzt traurig daneben und räumt das Spiel zusammen.
„Saara?“ fragt Juliaana extra leise, um nicht gleich wieder vom Herrn des Hauses runter gemacht zu werden. „Möchtest du mir beim Decken helfen?“
Eifrig nickt das Mädchen und hüft in die Küche.

Teil 10

:: Juliaana ::

Etwas ängstlich betritt sie mit Saara und dem Essen erneut das Zimmer.
„Papa, guck mal, Pizza!“ sagt das Mädchen stolz und balanciert das Geschirr.
Ihm genügt wieder mal ein kurzer Blick. „Toll.“ ist seine Antwort.
….mh… der Film muss ja super spannend sein.
„Ich gebe dir auch was von meiner Hälfte ab, ja?“ gut gelaunt verteilt Saara die Teller.
„Ich hab keinen Hunger.“
„Echt nicht? Die magst du doch sonst auch.“
„Hast du nicht gehört? Ich … habe …. keinen… Hunger!“ wütend streift er Juliaanas Augen und schüttelt verärgert den Kopf.
Sie ist sprachlos… hält das große Brett mit der Pizza in der Hand und bekommt keinen Ton heraus. Am liebsten würde sie ihm das jetzt über den Kopf ziehe… ja, das wär doch mal was! Aber das bleibt leider nur ein Traum.
Gezwungen stellt sie das Brett im nächsten Moment auf den Tisch und beginnt für die Kinder, die Stücke zu schneiden.
„Lasst es dir schmecken.“ sagt sie zu Saara, da Niilo anscheinend eingeschlafen ist. Daumennuckelnd schnieft er vor sich hin und lässt sich von dem lauten Gebrüll und Geknalle, was aus den Boxen gelang, nicht stören. Herr Ylönen hat die Arme hinter seinem Kopf verschränkt, schaut über seinen Sohn hinweg und streift, ab und zu, sein noch feuchtes Haar nach hinten.
Juliaana wird aus ihrer Starre gerissen als er sie plötzlich ansieht. „Kannst du mir man nen Bier ausm Keller holen?“
Du? Seid wann waren sie schon beim `du`? Außerdem ist sie das Kindermädchen und keine Dienerin!
Verwirrt nickt sie einfach nur und steht auf, obwohl es ja eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehört.

Teil 11

:: Lauri ::

Mh… wieso sollte er die Frau rausschmeißen? Sie holt ihm sein Bier, macht Essen, spielt mit den Kindern. So lässt es sich ja mal richtig zu Hause aushalten…  
Lächelnd streichelt der Sänger seinem schlafenden Sohn durch sein blondes Haar nimmt dankend das Bier entgegen. Diesmal bekommt sie noch ein `Danke` von ihm. Sie soll sich jedoch bloß nicht dran gewöhnen.

:: Juliaana ::

:: zwei Stunden später ::

„Nimmst du ihn mir bitte ab?“ hilflos zeigt Lauri auf Niilo. Innerlich die Augen verdrehend steht die Nanny auf und nimmt den Jungen vorsichtig auf den Arm. „Wir machen jetzt im Bettchen weiter Heia“ flüstert sie ihm ins Ohr und trägt ihn die Treppe hoch in sein Zimmer.
Als Juliaana wieder kommt, sagt sie auch Saara, dass sie schon mal Zähne putzen solle.
Der Vater hat ist in der Zwischenzeit irgendwie verschwunden…
Froh, dass sie diesen Rabenvater gerade nicht sehen muss, räumt sie das Geschirr weg und schmeißt die restliche Pizza in den Müll. Morgen wird es was Gesundes geben!
Das Kindermädchen steigt gerade die Treppen hoch, als sie Stimmen aus dem Bad hört. „Nein, Saara, gib das her! Nimm dein Eigenes!“
Was ist da denn los? Unauffällig linst sie in den weißgefliesten Raum.
Herr Ylönen schaut in den Spiegel und wischt sich den Mund mit einem schwarzen Handtuch ab. Währenddessen greift Saara nach dem Ihren und nuschelt ein leises „Tut mir leid.“
Das darf doch nichts war sein… der Vater übertreibts ganz schön. Will er denn jetzt auch schon schlafen? Wohl eher nicht… es ist gerade mal sieben Uhr!
Leise schleicht die Nanny zur Tür von Saaras Zimmer, weil Lauri sich auf die Badtür zu bewegt. Als ob sie gerade hochgekommen wäre, betätigt sie den Lichtschalter und lächelt ihn, als er gerade an ihr vorbei geht, unschuldig an. Der Sänger hingegen schenkt ihr nur einen grimmigen Blick und trampelt die Treppen runter.
Juliaana geht ein wenig zurück. Sie möchte schauen, ob er echt das Haus verlässt….
Und sie hat Recht. Herr Ylönen schlüpft in seine Schuhe, wirft sich die Jacke über und geht mit einem lauten Türknall nach draußen.

Teil 12

:: Lauri ::

Der Sänger hat es sich in seiner Lieblingsbar gemütlich gemacht. Hier ist er regelmäßig… um sich abzuschießen… um zu vergessen, dass er kein freier Mann mehr ist… dass er für immer gebunden… gefangen ist!
Ja, für ihn ist es manchmal wie ein Gefängnis. Er kann nicht einfach mal sagen, er hat jetzt Spaß mit einer anderen Frau oder wandert mal, für ein halbes Jahr aus…, irgendwo hin, wo er abschalten kann! Nach dieser Zeit Einsamkeit, könnte er sich sogar vorstellen, dass er sich freut, wenn er nach Hause kommt.
Doch in den letzten zwei Jahren gab es so einen Moment nicht mehr… nun gut, vielleicht einmal, als er wochenlang auf Tour war, aber das schöne Gefühl war schneller vorbei, als erhofft…

Schnell spült er seinen fünften Whiskey herunter und haut das lehre Glas auf den Tresen. „Noch einen, bitte!“

:: Juliaana ::

Sie stellt das Babyfon auf den Wohnzimmertisch, lehnt sich zurück und schaltete den Fernseher ein. `Der Junge ist zwei… der brauch doch kein Babyfon mehr… ` denkt sie sich noch kurz bevor sie sich auf die Dokumentation über Meerestiere konzentriert.

Es ist mittlerweile halb 12 und Juliaana ist auf dem Weg in den Keller, wo sie schlafen wird. Dort unten übernachtete früher die `Oma`. Es sind zwei große, verbundene Räume, in denen nur ein Einzelbett und eine kleine Kommode stehen. Sehr gemütlich ist es nicht, aber Laina meinte, es würde bald renoviert werden.
Die Brünette zieht ihr schwarzes Satinnachthemd an und krabbelt unter die weiße Bettdecke. Mist! Jetzt hat sie dieses Babyfon vergessen. Hier unten ist es bestimmt doch ganz nützlich, da sie Niilo nicht hören kann, wenn er weint…
Genervt über sich selbst steht sie auf, geht barfuss die hölzernen Treppen hoch und öffnet die Tür zum Wohnzimmer. Es ist dunkel… eigentlich dürfte keiner hier sein, doch sie hört Geräusche… Was ist das? Das hört sich an… wie ein Schnaufen…. ein Schnarchen?… und das aus der Richtung von der Haustür…
Etwas ängstlich betätigt sie den Lichtschalter und bekommt große Augen, als sie sieht, wer da auf dem Boden liegt…

Teil 13

:: Juliaana ::

„Ach du scheiße.“ flüstert sie zu sich selbst und geht hilflos zu ihm rüber. Was soll sie jetzt machen? Ihn wecken? Tragen kann sie ihn nicht, er ist doch viel zu schwer…
Vielleicht einfach liegen lassen? Scheint doch gemütlich zu sein….
Moment! Der sabbert! Bah!
Okay, Juliaana weiß zwar, dass er sie gleich übelst anfauchen wird, doch das ist ihr egal… der soll in sein Bett, bevor die Kinder ihn morgen so sehen!
Entschlossen geht die junge Frau in die Küche, nimmt sich ein großes Glas aus dem Schrank und füllt es mit lauwarmem Wasser… Er soll ja nicht gleich nen Herzinfarkt bekommen, weil es eiskalt ist…
Auf den Lippen kauend, stellt sie sich wieder vor ihn und schaut von oben herab in sein Gesicht. Niilo ähnelt seinem Vater sehr… er hat genau die gleiche Nase… sie selben Gesichtszüge und wenn sich die Nanny richtig erinnert, ist auch Herr Ylönen grünäugig.
Sie schüttelt verwirrt den Kopf. Wie lange will sie denn noch warten?
Langsam führt sie das Glas über seinen Kopf, hält es ein wenig schräg und lässt dem Wasser freien Lauf…. dank der Erdanziehungskraft, genau auf seinen Mund.

:: Lauri ::

Er wacht hustend auf, setzt sich hin und versucht die gerade in seine Luftröhre gelangende Flüssigkeit herauszuwürgen. Als er es endlich geschafft hat öffnet der Sänger schwer atmend die Augen.
Zunächst erstmal mustert er die junge Frau, die vor ihm steht. Ein schwarzes… sehr dünnes… nicht sehr viel hautbedeckendes Nachhemd…. „Was machen Sie denn hier?“ faucht Lauri sie trotz allem an.
„Das könnte ich Sie genauso fragen! Hätten Sie nicht irgendwo anders schlafen können?“
„Wieso? Das ist mein Haus!“ meint er empört und geschockt über diese Frage.
„Ja, und Ihre Kinder, die ihren Vater morgen früh auf dem Fußboden vorgefunden hätten!“
„Bin halt eingeschlafen.“ Er blinzelt kurz. Verdammt, wieso sieht er alles verschwommen?
„Eingeschlafen?! Sie sind strutzevoll! Wie Sie ihre Augen verdrehen, das ist doch nicht normal und stinken tun Sie auch, nach Qualm und Alkohol!“
„Ich stinke immer nach Qualm“ murmelnd will Lauri aufsteht, doch seine Beine machen dies nicht wirklich mit.
Stöhnend sinkt er wieder zu Boden. Das hatte er schon öfters und vorhin, wenn er sich richtig entsinnt… war es auch so!
Innerlich verdreht der Sänger die Augen, als er über eine Frage nachdenkt. Doch da er nicht, wie ein kleines Kind, ins Bett ROBBEN will muss er sie fragen…
Seufzend schaut er zu Boden. „Können Sie mir helfen?“
Das Kindermädchen hat die Arme verschränkt und blickt ihn ungläubig an.
Er atmet noch einmal tief durch, bevor er das eine Wort hinzufügt. „Bitte.“

Teil 14

:: Juliaana ::

Ach… wenn er was will sietst er sie wieder? Am liebsten würde die Nanny ihn jetzt einfach daliegen lassen… aber das kann sie leider nicht…
Seufzend hält sie ihm die Hand hin und zieht ihn hoch. Als er wieder zu schaukeln beginnt, nimmt sie seinen Arm und legt ihn über ihre Schulter… stützt ihn…
Ächzend setzt der Sänger einen Fuß vor den anderen…
„Können Sie sich mal bitte nicht so schwer machen?“ bittet Juliaana ihn, weil sie nicht gerade sie Stärkste ist…
Sie merkt, wie er sich aufs Laufen konzentriert. Er mustert jede Stufe und jeden seiner Schritte, dass er ja nicht das Gleichgewicht verliert…
Als beide sich endlich die Treppe hoch geschleppt und das Schlafzimmer betreten haben, gibt die ihm einen kleinen unauffälligen Schups, sodass er quer auf dem Bett landet.
„Danke.“ murmelt er in die Decke und bewegt sich keinen Zentimeter.
„Und gute Nacht! Bitte erst runter kommen, wenn Sie ihren Rausch ausgeschlafen haben.“
„Ich muss morgen früh zu nem Interwiev.“
„Na, dann sind Sie hoffentlich schon weg, bevor die Kinder wach sind.“ Shit, dann hätte sie ihn ja doch da liegen lassen können…
„Ja, wenn ich nicht verschlafe.“
„Das glaub ich nicht. Ihre Arbeit ist doch sooooo wichtig.“ provoziert Juliaana und schließt schnell die Tür, bevor er auf das Thema eingehen kann. Nachlaufen wird er ihr sicher nicht!
Schadenfreudig geht die junge Frau –samt Babyfon- wieder in ihr Schlafgemach und hofft, dass dieser Abend ihr nicht großartig Jobsorgen bereiten werden… Wollte er sie nicht sowieso rausschmeißen?

Teil 15

:: Lauri ::

Schlaftunken wühlt er in der Tasche seine Baggy und zieht sein klingelndes Handy hervor.
„Ja?“ knurrt er in den Hörer und schaut sich kurz in dem Zimmer rum. Wie liegt er denn hier? Total quer…
„Lauri… wo bist du?“ kommt es genauso knurrend von Eero.
„In meinem Bett, wieso rufst so früh an?“ Es ist doch früh oder? Also nach seinem Gefühl ist es sogar noch Nacht, doch da sagt ihm der helle Himmel, aus dem Fenster heraus, etwas anderes.
„Früh?“ Eero lacht sich schlapp… stockt jedoch sofort wieder. „Hier du Obermacker, es ist halb neun und wenn du nicht sofort hier antanzt, macht Lilli dir die Hölle heiß.“
Lilli, die Managerin… eine Frau! Für Lauri ist es schlimm, das zu machen was sie sagt…, auch wenn der Name sich vielleicht `süß` anhört, sie ist eine Hexe!
„Halb neun?“ geschockt nimmt er das Handy vom Ohr und schaut auf die Uhrzeit. „Shit. Holt mich in 20 Minuten ab!“
„Wir fahren gerade in deine Straße rein, mach hinne!“

Wie ein gescheuchtes Huhn, kramt er frische Sachen aus dem Schrank und rennt über den Flur zum Bad. „HEY!“ brüllt er die Tür an, als er sie nicht öffnen kann.

:: Juliaana ::

Die Nanny zuckt zusammen, als sie plötzlich jemanden an die Tür klopfen hört. Das kann ja nur einer sein... denn Niilo schläft noch und Saara ist schon im Kindergarten.
Sie stellt die Dusche aus und bindet sich ein großes weises Handtuch um. Er kann froh sein, dass sie gerade fertig war, doch hätte sie gerne noch zwei-drei Minuten in der Zweimanndusche gestanden… Was für ein Luxusding.
„HALLO? ICH MUSS HIER REIN!!!“
„Kleinen Moment noch.“ meint Juliaana ganz ruhig und beginnt sich die Haare zu kämmen. Er hat verschlafen… wie geil!
„WIE LANGE DENN NOCH?“
„Darf ich mich vielleicht noch anziehen?“ tut sie empört in trocknet sich in Seelenruhe ab.
„NEIN!!!“
Hat er gerade nein gesagt?
„Nein, also … ich meine doch…. SCHNELL!!!“

Teil 16

 

:: Lauri ::

 

Was denkt die sich eigentlich?
Wütend tritt der Herr des Hauses gegen die Tür.
„Ist ja schon gut.“ kommt es von drinnen und kurz darauf steht ihm Juliaana gegenüber.
„Na endlich.“ stöhnt er genervt und zieht an ihr vorbei.
„Auch einen guten Morgen, Herr Ylönen.“
Augenverdrehen schließt er die Tür ab und beginnt sich zu entkleiden. Diese Frau nervt… sie soll gefälligst zu Hause duschen und nicht das ganze warme Wasser verbrauchen…

 

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Frisch gestylt geht er aus dem Bad und zündet sich erstmal seine Morgenzigarette an. Schnell läuft er runter in die Küche, um sein `zweites Frühstück` zu sich zu nehmen.
„Verdammt, warum ist noch kein Kaffee gemacht?“ brüllt er die Maschine an und spitzt die Ohren, um die billige Ausrede der Nanny verstehen zu können.
„Ich hatte noch keine Zeit.“ hört er unsicher aus dem Wohnzimmer.
„Noch keine Zeit? Was machst du bitte den ganzen Morgen?“ Lauri stellt sich an die Tür und schaut sie erwartungsvoll an.
„Können Sie sich mal entscheiden ob Sie mich duzen oder Siezen?“
„Kann ich mir nicht aussuchen, wann ich was sage?“
„Nein!“ meint sie bestimmt.
„Was ist dir lieber?“ tut er gelangweilt und betrachtet seine Hände.
„Das `Sie`.“
Der Sänger überlegt kurz. „Okay, dann duze ich dich.“
Juliaana öffnet leicht geschockt den Mund.
„Gut, ich dich auch. Wie heißt du noch gleich? Lauri, stimmts?“ fragt sie mit hoher Stimme und wendet sich ab.
Lauri formt seine Augen zu Schlitzen, hält jedoch die Klappe und macht sich daran, seine schwarzen Schuhe an zu ziehen.
Dieses Weib ist es gar nicht wert, dass man sich über sie aufregt…
Doch er sollte Laina mal erzählen, was sie doch für eine unfreundliche Auswahl getroffen hat.