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„Aki….Aki, ich will schlafen!“ quengel ich und zupfe an seinem T-shirt. Muss ich jetzt eigentlich wieder nen Bett ausziehen? „AKI“ schreie ich nun, um endlich Aufmerksamkeit zu bekommen.
„Was denn?“ er dreht sich genervt zu mir um. Sorry, dass ich dich aus einem wichtigen Autogespräche gezogen habe…
„Wo schlafe ich?“ frage ich nun deutlich.
„Achso ja.“ meint er wieder normal. „Lauri und ich haben diesmal jeder ein Zimmer. Ich penne bei Lauri und du kannst mein Zimmer haben.“ Er drückt mir eine Karte in die Hand.
„Okay, danke gute Nacht.“ Ich wuschel ihm kurz durch die Haare und mache mich dann auf den Weg zum Fahrstuhl.
2. Etage… 3. Etage…. Ach ja, hier! Ich schlendere gähnend durch den langen Flur, auf der Suche nach Zimmer 310…steht zumindest auf der Karte.
Yes! Da ises!!! Froh, dass ich jetzt endlich schlafen kann, schiebe ich die Karte rein und es macht einmal *piep*. Ich betrete den dunklen Raum und taste nach dem Lichtschalter. Auch der ist gefunden!
Als sich der Raum erhellt gehe ich schnurstracks ins Badezimmer -was mal wieder ein Traum ist- , putze Zähne und … nagut, umziehen kann ich mich ja schlecht.
Ich werfe meine Jeans, Jacke und das Top über die Badewanne und verlasse mein Lieblingszimmer nur in Unterwäsche.
Augenreibend gehe ich zum Bett. Als ich daneben stehe und das Licht wieder ausmachen will, verengt sich plötzlich meine Luftröhre… Total verkrampft liegt meine Hand auf dem Schalter und mein Blick ist starr auf die Linke Seite des Bettes gerichtet.
Was macht ER zum Teufel hier? Hat mir Aki etwa die falsch Karte geben? Und zwar die Zweitkarte von Lauris Zimmer? Ja, so muss es sein!
Ich atme schwer aus und wieder ein. Hab doch gerade echt das Atmen vergessen!
Das war der Fehler.
Die Person unter der Decke beginnt sich zu drehen und zwar zu mir! Wie angewurzelt bleibe ich stehen… kann mich grade nicht bewegen…
Er knurrt…. blinzelt etwas und öffnet schließlich ruckartig die Augen. „Tuuli?“
„Bin schon wieder weg!“ Wie vom Donner gejagt sprinte ich wieder zum Bad.
„Hey, nein warte!“
Kurz vor der Tür mache ich Halt. „Tut mir leid, Aki hat mir die falsche Karte gegeben. Er wollte ja bei dir schlafen und ich sollte sein Zimmer nehmen und da hat er einfach nur die Karten vertauscht… ich wusstes auch nicht, echt!“
Lauri grinst sich einen ab. Wahrscheinlich denkt er wohl gerade. `Hallo, ich bin doch sowieso schwul, was willst du eigentlich? Außerdem ist es nicht das erste Mal mit >zusammen in einem Bett schlafen< `
Ich schlage mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Du hast Recht.“
„Wie was? Ich hab doch gar nichts gesagt.“
Kopfschüttelnd gehe ich wieder zu ihm und grabbel unter die Decke. „Ist das okay, wenn ich heute bei die schlafe?“
Baff schaut er mich an. „Kein Problem, ich wollte es dir sowieso gerade vorschlagen. Habe nämlich keine Lust auf einen schnarchenden Aki.“
„Musst du gerade sagen.“
„Hey, ich habe heute kaum was getrunken, du wirst nichts hören!“ schwört er und hebt seine rechte Hand.

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Ich lächel ihn kurz an, strecke dann meinen Arm und betätige den Schalter.
….
….
„Ich hoffe nur DU schnarchst nicht.“
„Lauri! Ich will schlafen!“
„Dann mach seine Füße da weg! Ich nämlich auch und die sind kalt.“
Ups, keine Absicht. „Rasierst du dir die Beine?“
„NEIN!“
„Sorry, hat sich so angefühlt.“
„Ich bin nicht so ein weiblicher Schwuler.“
„Ist ja gut.“ Ich boxe ihn leicht irgendwo hin….
„Ah, das war mein Bauch!“ …okay, doch nicht `irgendwo`….
„Hab gedacht, du wärst kein Weichei.“
“Bin ich ja auch nicht“
„Dann tu nicht so.“
„Dann schlag mich nicht!“
„Ach komm, das war nen leichter Klaps.“
„Jaja, wenn du wüstest. Hier, das war so fest!“
„Aua!“ ich halte mir die Schulter, muss jedoch grinsen. „Du schlägst Frauen mein Freundchen!“ stelle ich fest.
„Nein, nicht Frauen… nur dich. Außerdem war das nur ein Klaps.“
„Sag mir nicht alles nach!“
„Und wenn doch?“
„Dann…“ äh…. Okay, denken…. „Dann gehe ich zu Aki, hol mir die andere Karte und er kann dann bei dir….“
„NEEEIN“ schreit er mir ins Ohr.
„Boah, mit dir in einem Bett, trägt man ja nur Schäden davon!“
„Sorry.“
“Schon gut, kann ja noch hören…“
„Noch…“
“Was soll das denn jetzt heißen?“
„Nichts.“
„Jetzt sag schon.“
„Also ich schnarche zwar nicht im nüchternen Zustand, aber Aki meint, ich schreie manchmal nachts.“
“Wow, das wird ja immer schöner….“

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Ich drehe mich mit dem Rücken zu ihm… Soll ich nicht doch besser gehen? Was denkt Aki, wenn er mich hier sieht… und er wird es ja spätestens heute Abend noch merken… Er denkt bestimmt ich mach mir irgendwelche Hoffnungen…
Plötzlich schlingen sich zwei Arme um meinen nackten Bauch. *schluck*
Ist es denn falsch, sich Hoffnungen zu machen? Wenn er schwul ist, was soll das dann?
„Schade, dass du nicht auch meine Schwester bist…“ Er streicht meine Haar nach vorne und gibt mir einen Kuss in den Nacken.
Ich bin ganz starr. Mein Herz pocht mir fast aus der Brust und mein Körper ist übersäht von Gänsehaut.
„Ja… das wär bestimmt cool.“ meine ich abgehackt und drücke meine Augen zu. Einfach schlafen… los, Tuuli, schlafen!!! Er ist schwul und er steht nicht auf dich, auch wenn du dich umdrehst, wird nichts weiter passieren…deshalb, einnicken und Ruhe is!
…Doch so einfach ist das leider nicht…

Dreißig Minuten später ist Lauris Atem gleichmäßig ruhig. Er schläft…
Toll, würde er nicht die ganze Zeit meinen Hals anpusten, könnte ICH das vielleicht auch!
Wenigstens kein Schnarchen, Grunzen oder irgendwelche Schnappgeräusche. Schon viiiel besser als die letzte Nacht mit ihm…
Das hört sich ja an… `die letzte Nacht mit ihm` … mh… als ob ich mit ihm schlafen würde… also… im anderen Sinne…. schlafen tu ich ja mit ihm… irgendwie…. nebeneinander halt… Boah, mach ich mir immer so sinnlose Gedanken, wenn ich nicht einschlafen kann? Nein, eigentlich nicht… normalerweise würde ich jetzt lesen oder Musik hören … doch das geht gerade eeeetwas schlecht…. seufz….
Oh, er bewegt sich, er dreht sich von mir weg… berührt mich nicht mehr….
Gott, sei dank… jetzt hab ich nicht mehr den Drang, ihn zu begrabschen… zumindest nicht mehr so stark… Freiiii….
Ich lege mich auf den Rücken, schaue an die –wegen des mangelnden Lichtes- schwarze Decke und male mir aus, wie es morgen wird…
Aki werde ich lange nicht sehen… und Lauri noch dazu… verträumt blicke ich nach rechts…
Eigentlich hätte ich es mir doch gleich denken können… schöne Männer sind doch immer schwul…
Blöde Gedanken…Super, jetzt bin ich munter…
Ich atme tief ein und genervt aus, schlage die Decke zur Seite und gehe zum Fenster. Mit einer Hand streiche ich die bis zum Boden hängende Gardine zur Seite. Ein schöner Ausblick auf Berlin…
… Das Bett knartscht wieder…
… Ich drehe mich nicht um… Lauri soll sich bloß nicht so rumwälzen, dass er dann quer liegt und ich…
„Hab ich etwa doch geschnarcht?“ fragt jemand unerwartet hinter mir und ich zucke vor Schreck zusammen.

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Schnell wende ich mich zu ihm und atme erleichtert aus. „Boah, hast mich erschreckt… nein keine Sorge, du warst ganz leise und geschrieen hast du auch nicht…“
„Wieso bist du dann wach?“
„Konnte irgendwie nicht schlafen.“
„Vorhin warst du aber doch so müde.“
…grr…
„Du hast mich mit deinen Gelaber und den Schlägen aber wieder munter gemacht.“ sage ich patzig, was ich sofort wieder bereue, und gehe wieder zum Bett.
„Mh… okay, dazu sage ich jetzt mal nichts…“ aufrecht geht er ins Bad und verlässt es zwei Minuten später wieder… krabbelt unter die Decke.
Ich halte die Augen geschlossen und versuche ruhig zu atmen… Plötzlich spüre ich Atem an meinem Ohr. „Wenn du mir jetzt erzählen willst, dass du ihn dieser kurzen Zeit eingepennt bist, lache ich.“ flüstert er und ich kann wetten, dass er sich einen abgrinst.
„Ich könnte gar nichts sagen, wenn ich schlafen würde.“ meine ich trocken und ziehe mir die Decke über den Kopf. Lauri scheint kurz zu überlegen….
„Woah, du bist soooo eine Zicke!!!“
„Neiiiin, LAURI NIIIIICHT!!!“ Lachend versuche ich seine pieksenden Finger von meinem Bauch fernzuhalten.
„Ich bin schneller…“
„Geeeehhh weeeeeg! Ahhh, ich krieg keine Luuuuft!“
„Dann atme.“
Was für ein Witzbold…

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Ha! Hab ich ihn! Stolz halte ich beide seiner Handgelenke und …zu meinem Glück wehrt er sich gar nicht! „Das wirst du noch bereuen!“ Geschwind drehe ich mich, setzte mich auf ihn und beginne nun IHN zu kitzeln…

Äh…. „Hä??“ Nach ein paar Sekunden höre ich auf. „Bist du gar nicht…?“
Er schüttelt grinsend den Kopf.
„Mann, das ist ja fies!“ beleidigt rolle ich mich wieder ab und verschränke die Arme vor der Brust.
„Es gibt da eine bestimmte Stelle, willst du wissen wo?“
„So wie du guckt…*denk*, nein… bitte behalt es für dich!“ scherze ich.
„Püh, dann nicht.“ er wendet sich ab.

„Okay, eigentlich interessiert es mich doch.“
„Nö zu spät.“
“Och Lauri, bitteeeee! Ich sags auch niemandem.“
„Ich hab doch gesagt, du hast deine Chance verpasst, Liebes!“
„Dann mag ich dich jetzt nicht mehr.“
„Mir doch egal.“
„Echt?“ versuche ich traurig zu klingen.
„Nein.“
„Puhhh, ich dachte schon.“
„LAURI!!! LAURI!!!!“ irgendjemand klopf wie irre an die Tür. „TUULI IST WEG…. WIR MÜSSEN SIE SUCHEN!!!“
„AKI, SIE IST MIT DEM TAXI NACH HAUSE GEFAHREN, KEINE SORGE!“ brüllt Lauri nach draußen…
Hallo? Was sagt er da? Ich schaue ihn fragend an.
„ECHT BIST DU DIR SICHER?“
“JA 100PRO, ICH HABS SELBER BESTELLT! SIE KOMMT MORGEN ABER NOCHMAL VORBEI UND VERABSCHIEDET SICH!!!“
„OKAY; GUTE NACHT!“

„Ähh, was sollte das?“ frage ich grinsend, als Ruhe auf dem Flur eingetreten ist.
„Ich wollte keinen schnarchenden Aki und du hast bestimmt keine Lust jetzt in ein eiskaltes Bett zu gehen, oder?“
„Mh… gute Argumente…“
….
„Lass uns mal lieber schlafen, sonst kommen wir morgen gar nicht mehr ausm Bett…“ schlage ich vor.
„Jetzt bin ich aber nicht mehr müde.“
„Ich aber.“
„Mh… okay gute Nacht, schlaf gut!“ Er gibt mir einen Kuss auf die Wange…
Ach du scheiße… das war gaaaanz knapp am Mund vorbei.
„Kannst du das noch mal machen?“ platzt es auch mir heraus.
„Was?“
„Ja, ich muss doch wissen, ob ein Schwuler zärtlicher küssen kann, als ein Hetero.“ Puh… Das klang überzeugend… Gut das diese Ausrede richtig schnell kam… na ja, Ausrede… ein wenig Wahrheit steckt ja drinne… ein ganz klein wenig…
Sein schockierter Gesichtsausdruck entspannt sich und er beginnt frech zu grinsen. „Das kannst du haben!“

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Ich drücke meinen Kopf ins Kissen, schaue ihn mit großen Augen an. Hat er das jetzt erst gemeint? Anscheinend schon…
Immer noch mit diesem Grinsen bewegt er sich auf mich zu und macht kurz bevor sich unsere Nasenspitzen berühren Halt.
„Aber wenn du das Aki sagt, bringt er mich um.“
„Du bist schwul, wieso sollte er das tun?“
„Weil du seine Schwester bist.“ Nach diesem Satz schließt er seine Augen, legt seinen Kopf ein wenig schief und berührt meine Lippen.
Ein Blitzschlag durchfährt meinen Körper. Schmetterlinge werden freigelassen und fliegen wild umher.
Langsam entspanne ich mich und lege automatisch meine Hand in seinen Nacken um ihn noch näher zu mir zu ziehen.

Nach einer Weile löst er sich plötzlich von mir und blick mich überrascht an.
„W…Was ist?“ flüstere ich unsicher und beiße mir auf die Lippen.
Lauri kneift seine Augen zu und schüttelt verzweifelt den Kopf. „Nichts nichts.“ Dann wirft er seine Decke zurück und läuft ihm schnellen Schritt ins Badezimmer, aus dem ich kurze Zeit später einen heftigen Knall vernehme.

Verdammt!!! Ich bin doch so blöd! Wieso hab ich das gemacht?
Ich mache alles kaputt! Diese Freundschaft… wenn es überhaupt eine war…
Er hat bestimmt gemerkt, dass es für mich nicht nur irgendein Kuss war…so was merkt man doch oder?
Arrrr….. tonlos verziehe ich das Gesicht und balle meine Hände zu Fäusten… Was soll ich bitte sagen, wenn er wieder kommt? `Du Lauri, tut mir leid, dass ich mich in dich verknallt habe und das eben einfach ausnutzen musste…`
Hilfe, ich muss hier raus! Aber wie? Meine Sachen sind noch im Bad…

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Hektisch schaue ich mich um…Wo hin? Wo hin?
Mann, Lauri, musstest du denn ins Bad laufen?!
Unerwartet wird der Schlüssel im Schloss gedreht und die Tür geht auf. Lauri tritt, einmal tief durchatmend, heraus und schenkt mir ein gespieltes Lächeln.
Was ist? Kann er mir nicht sagen, was er hat?
Zittrig stehe ich auf, starre ihn unsicher an und schlüpfe an ihm vorbei…So… Klamotten… da!
Schnell ziehe ich mich wieder vollständig an und umfasse erneut die Türklinke, zögere jedoch einen Moment.
Wie kindisch ist das eigentlich? Einfach abhauen…
Vielleicht habe ich mir das auch eingebildet und er muss einfach nur kurz aufs Klo?
Was stelle ich mich eigentlich so an? Wenn ich jetzt gehe bringt das auch nicht. Außerdem schläft Aki schon und ich laufe ganz sicher nicht alleine durch Berlin… um diese Uhrzeit.
Seufzend lasse ich meine Hand fallen. Ich bleibe einfach in diesem wunderschönen großen Bad. …Nein… das ist ja auch Schwachsinn!
Verdammt, wenn ich bloß nicht so viel Angst hätte. Ich bin aber auch feige, hab mir das doch selber eingebrockt! Wäre ich bloß noch besoffen, dann hätte ich ne schöne Ausrede….
Ich fasse mir ein Herz und gehe hinaus. Lauri sitzt auf seinem Bett und schaut mich irgendwie schuldbewusst an. Nervös wende ich meinen Blick ab und krieche wieder unter die Decke.
„Gute Nacht.“ sage ich knapp und lasse den Raum wieder erdunkeln.
„Nacht.“ meint auch Lauri leise und legt sich hin.
 
…am nächsten Morgen…

 

Ich habe vielleicht zwei Stunden geschlafen, mehr nicht. Mit weit aufgerissenen Augen starre ich an die Decke. Man hört, dass es draußen wie aus Eimern gießt und ich kann mir auch gut vorstellen, wie schön grau und bewölkt der Himmel doch ist.
Schon mal ein prima Zeichen für diesen Tag…. Haha…