Chapter 15
…blacky?....
°Lauri°
Ich bin auf dem Weg nach unten. Draußen steht schon der Kleinbus, wo die Jungs auf mich warten. Wir habe in einer Stunde einen kleinen Auftritt in irgendeiner Fernsehshow. Da noch einmal geprobt werden muss und ich natürlich auch noch schön schwarz angemalt werde, nur um die Augen, versteht sich, gibt unser Fahrer dem entsprechend Gas. Wir nennen ihn nur >Lapsi< [Baby], da er sich beim Lachen wie ein kleines Kind anhört. Akis Idee…wessen sonst. Auf jeden Fall besser als sein richtiger Name, der irre lang ist und sich niemand merken konnte.
„War ja wieder klar“ stöhnt Pauli und lässt seinen Kopf an die Fensterscheibe dotzen. Ich schaute nach vorne. Er hatte Recht. Immer wenn wir mal in Eile sind- das ist eigentlich immer so- schalten alle Ampeln auf rot.
„Alles klar Jungs?“ Der Beifahrer, Mikko, unser Manager, dreht sich zu uns um.
„Jep“ antworte ich und die anderen nicken zustimmend.
„Gut, dann gebt heute hundert Prozent!“ Er schaut wieder auf die Straße.
Machen wir das nicht immer?
°Nora°
„Das haben wir lange nicht mehr gemacht“ Ich lasse mich erschöpft auf die Bank vor dem riesen Einkaufszentrum fallen.
„Ja, war echt wieder nötig gewesen.“ Kommentiert Linda und wühlt in ihren Tüten. „Wie viel Geld hast du da gelassen?“ frage ich rein interessenhalber.
„nicht so viel, wie letztes Mal“
„Letztes mal waren es ja auch 300€, was ich etwas übertrieben fand…Aber ich glaube, ich würde es auch machen, wenn ich die Kohle hätte“
„Siehste…Komm ich will nach Hause…“
“Die Sachen noch mal anprobieren und dann doch wieder die Hälfte umtauschen?“
„haha“
Zu Hause angekommen setze ich erst einmal Wasser auf um mir einen Tee zu machen.
Meine Füße tun schrecklich weh, so viele Stunden war ich lange nicht mehr am Stück gelaufen….aber es hatte sich gelohnt. Zwei kuschelige Pullover, eine Hose, für den bevorstehenden Winter, einen Mantel und am Ende noch sexy Unterwäsche… unverschämt teuer, meiner Meinung nach… na ja, man gönnt sich ja sonst nichts.
Ich stopfe meine neuen Sachen in die Waschmaschine und stelle sie an.
°Lauri°
Boah, ein Wahnsinnsauftritt…ich bin noch total hippelig und renne in den Backstagebereich, zu der Tür, wo >The Rasmus< dran steht.
Schnell entledige ich meiner Sachen und springe unter die Dusche. Eigentlich sollen wir erst nach dem Interview duschen, doch ich schaffe das auch in den zehn Minuten. Will mich nicht schwitzig neben die sexy Moderatorin setzen…hehe.
Als ich frisch angezogen aus dem kleinen Bad springe, sitzen meine übrigen Bandmitglieder alle samt auf der Couch und süffeln Wasser. Wasser mit Kohlensäure…bäh! Wenn dann will ich das Zeug auch in mich rein schütten können, ohne dass mir die Augen tränen oder ich aufstoßen muss. Naja, für mich wurde ja auch gesorgt. Ich greife mir meine Vittel-Flasche und gehe kurz in den Nebenraum, um mich noch mal schnell schminken zu lassen. Als ich zwei Minuten später, frisch gestylt – die Leute da sind schnell heut zu tage- wiederkomme steht auch schon Mikko wieder in der Tür. „Sie kommen jetzt, seid ihr bereit?“
Ein Nicken von Eero genügt ihm und er lässt sämtliche Kameraleute durch.
Ich räuspere kurz und zupfe den Kragen von meinem schwarzen Hemd zu Recht. Mann will doch gut aussehen… vor allem, wenn er Single ist.
Single…. Oh Gott, das hört sich ja schlimm an. >Ich bin Single< Das passt doch gar nicht zu mir!
°Nora°
Es klopft an der Tür… viiiieeel besser, als diese grelle Klingel.
Ich stelle das Bügeleisen hin und bin gespannt, wer nun wieder was von mir will.
„Hey! Hast du irgendwas zu trinken?“ Ist das….? „…Wasser, Cola oder so? Ich hab nichts mehr zu Hause außer Milch und die löscht nicht so gut Durst“
„Lauri?“
Er guckt verdutzt. „ja, wer denn sonst?“
„Sorry, du siehst so anders aus… ist das irgendwie modern, sich Federn in die Haare zu stecken und zu schminken? Ähhh…. sind das schwarze Kontaktlinsen?“ Ich betrachte ihn genauer…
„Oh, ja… äh… ich war grad mit nen paar Freunden… auf so nem Fest und… da lauf ich immer so rum….“
“Auf was für nem Fest läufst du denn so rum?“
„Ääääähm…. Nen Konzert… Da kleidet man sich doch immer verrückt.“
„Ja da hast du Recht“ Ich lache…muss mich gerade an mein erstes Konzert erinnern…ich erwähne jetzt nicht die Band, das ist mir peinlich… „Und wer hat gespielt?“ Ich lasse ihn rein, schließe die Tür und stelle mich wieder ans Bügelbrett.
„te asch…us“
„Was?“ Muss der denn so nuscheln?
„The Rasmus“ flüstert er nun.
„Ach ja, die kenn ich!“
Lauri reißt die Augen auf. „Echt?“
„Ja, also zumindest nen Lied von denen, das läuft immer im Radio“
°Lauri°
Strike! Ich habe bis jetzt nicht gelogen! Immerhin war ich auch auf einem Konzert und deshalb sehe ich auch so aus uuuunnnnd…. die Band hieß The Rasmus, mann, bin ich gut! Gut, es war nur ein kleines Konzert, zwei Lieder…. Aber immerhin.
„Magst du das Lied?“ frage ich nach. Das will ich dann doch wissen…
„Es ist nen schlimmer Ohrwurm“ grinst die und fängt an zu bügeln. Darauf muss ich jetzt erst mal eine Rauchen. Ich ziehe meine Kippenpackung hervor. „Darf ich?“
„Meinetwegen“ …oh wie nett, ich dachte schon, der Balkon ruft wieder…
Ich zünde sie mir an und zieh den Rauch tief ein.
„Und wie fandest dus?“ fragt sie nebenbei.
„Was?“
„Das Konzert! So, wie dus dir erhofft hast?“
„Ja, so wie immer“ …ups…
„Wie immer?“
„Ja, also…“ shit jetzt muss ich ja doch lügen „…war schon auf mehreren…“
„Nimmst du mich nächstes Mal mit?“
„Ist das dein ernst?“ Die Frage kam ganz schön plötzlich....
„ja, sonst würde ich nicht fragen“ grinst die wieder.
„Also, äh, klar doch, aber ich weiß noch nicht ganz genau, wann das nächste…. also…im Internet stehen noch keine aktuellen Daten“
„Kein Problem, hat doch Zeit“ ordentlich legt sie eine weiße Bluse zusammen.
„Kannst du das bei mir auch mal machen?“
Sie lacht auf. „Dich bügeln?“
„Nein“ ich werde leicht rot. „Ich meine, meine Klamotten“
„Wie viel zahlst du denn?“
“Für was jetzt?“ …die verwirrt mich total…
„Dafür, dass ich dir deine Sachen bügle.“
Ach so… ich zucke mit den Schultern. „Ich dachte eigentlich, du machst das kostenlos“
„Jahaaa… träum weiter“ regt sie sich künstlich auf. „Denkst du das ist keine Arbeit?“
“Weiß nicht. Hab ich noch nie gemacht“ lächle ich unschuldig. „Sieht aber nicht wirklich anstrengend aus“
°Nora°
Ich hätte nie gedacht, dass ich einem Mann mal bügeln beibringen müsste.
Um 18 Uhr soll ich rüber gehen und es ihm zeigen. Lauri meinte, es werde langsam Zeit, weil er ja jetzt alleine ist und schon so nen paar Hemden hat.
Man bügelt doch nicht nur Hemden! Okay, ein Mann schon, bei den anderen Klamotten ist es ja egal… da kann ne T-shirt schon mal zerknittert sein… ne ne…
Dass er sich überhaupt dafür bereit erklärt hat- ich habe ihn nämlich nicht gezwungen- finde ich schon mal bewundernswert.
So, zehn vor acht, so lange räumt der bestimmt nicht auf, kann ich auch nen bissel früher kommen.
Hat er überhaupt nen Bügeleisen? Bügelbrett? Hat ihm das seine Freu…. Äh, Exfreundin überhaupt da gelassen?
Um auf der sicheren Seite zu sein klemme ich mir mein Brett unter den Arm und nehme das Eisen. So die erste Unterrichtsstunde kann beginnen…
Mit meinem kleinen Finger, der gerade nicht irgendwie mit einem Gewicht belastet ich, schließe ich meine Tür von außen. Oh, Lauris steht ja offen. Einfacher für mich.
Mit einem leichten Tritt geht sie auf und ich höre wie jemand Gitarre spielt.
Sein Hobby? Ich stelle das Brett im Flur an die Wand und folge der Musik. Da singt doch auch jemand, oder? Ich gehe auf die halb geöffnete Tür zu. Die Stimme kommt mir irgendwie bekannt vor…

 

Chapter 16
…hot…
°Nora°
Lauri sitzt auf der Couch, die Gitarre auf dem Schoß, die Augen geschlossen…
Open my eyes…
Let me see you….
...und er singt.
Ich wusste nicht, dass er so musikalisch ist... Woher kenne ich bloß diese Stimme?
Dieses Feuer, diese Leidenschaft…
Ewig könnte ich hier stehen und ihm zu hören. Ich lehne mich an den Türrahmen und schaue auf seine Finger, wie sie die Akkorde spielen, in sein Gesicht, welches sich auf den Text konzentriert, jedoch gleichzeitig entspannt.  
Plötzlich herrscht Stille. Lauri seufzt und lässt sich zurückfallen, schaut einfach geradeaus an die kahle Wand.
„Hi“ flüstere ich extra. Er zuckt zusammen und schaut mich erschrocken an.
„Ach…i…ist es schon…so weit?“
„Ja, sechs Uhr“ zur Bestätigung schaue ich auf die Uhr.
„ja…ähm, dann, also wo wollen wir… ich meine wo willst… ich hab gar kein Bügelbrett weißt du…“ stottert er und legt die Gitarre beiseite.
„Hab ich mir schon gedacht“ lächle ich und hole mein Brett hervor.
„Oh, gut…und wo? Hier? Im Wohnzimmer? Wir können auch in Schlafzimmer…also zum Bügeln, weil….da sind gleich alle Sachen…ach ich hole sie einfach her.“ Rot angelaufen stürmt er an mir vorbei.
°Lauri°
Oh Gott, sie hat alles gehört… bestimmt hat sie alles gehört….wieso hat sie nichts gesagt? Hat es ihr nicht gefallen?
Mist! Sie ahnt bestimmt irgendwas und ist bestimmt schrecklich sauer, darüber, dass ich es ihr nicht sofort gesagt habe…
Aufgedreht wühle ich einige Hemden aus meinem Schrank und stolpere wieder ins Wohnzimmer, wo sie schon das Brett aufgestellt hat und das Eisen in der Hand hält.
„Dann zeig mal was du drauf hast“ sagt sie und drückt es mir in die Hand.
Vielleicht ist sie ja doch genau dann gekommen, als ich aufgehört hatte zu spielen… sonst würde sie doch was sagen, oder?!
Nach einer halben Stunde renne ich schreiend ins Bad.
Das tut so verdammt weh. Ich stelle den Wasserhahn auf kalt und halte meine Hand darunter. Aua aua aua….
„Lauri, alles klar?“ Nora kommt hinterher gerannt und legt ihre Hand auf meine Schulter.
„Warum muss das Ding denn so beschissen heiß sein?“ fluche ich und betrachte meine verbrannte Haut.
„Das gibt ne schöne Brandblase“ stellt Nora fest.
Ich hasse Brandblasen…
°Lauri°
Das Bügeln habe ich aufgegeben… sind zerknitterte Hemden nicht modern? Ja…für mich jetzt schon.
Nora sitzt grinsend neben mir und ich jaule immer noch wegen meiner Hand. Das tut sooooo weh.
„Weichei“ haut sie plötzlich raus und ich sehe sie ernst an.
„Weißt du eigentlich wie das….“
“Ja, weiß ich“ lacht sie. „Du hättest halt aufpassen müssen….nicht deine Hand, sondern das Hemd bügeln.“
„Hinterher ist man immer schlauer“ sage ich leicht beleidigt. Sie könnte wenigstens ein wenig mitfühlen.
„LAURI?“ die Wohnzimmertür geht auf und Aki tritt ein.
„Hast du die Tür nicht zu gemacht?“ frage ich Nora vorwurfsvoll.
„Du hattest sie angelehnt, also hab ich’s auch gemacht“
Toll.
Aki, schaut mich fragend an. Ach ja, er ist ja auch noch hier.
„Hi Aki, das ist Nora meine Nachbarin“
Verwirrt schaut er zwischen dem Bügelbrett und mir hin und her.
„Sie wollte mir bügeln beibringen“ kommentiere ich.
„Oh, diese Frau gefällt mir“ grinst er und schüttelt Nora die Hand.
„Hi, ich bin Lauris bester Freund, Aki“
„Hey, freut mich“
„So, Aki, was gibt’s denn?“ Ich stehe auf und laufe auf ihn zu, versuche ihm mit einigen Blicken klar zu machen, dass er aus dem Zimmer verschwinden soll. Doch vergebens.
„Wir müssen morgen noch mal proben..“
Ich räuspere mich. Drücke ihn ein wenig auf den Flur. Geh schon!!!
„…wegen dem Konzert übermorgen… Lauri, was machst du denn da?“
„Wollen wir nicht in der Küche weiterreden?“ ich reiße die Augen auf und drücke ihn weiter den Flur entlang…  „Nö, wieso denn?“ Mann, der rafft auch gar nichts.
Plötzlich reißt er sich los und läuft wieder zu Nora, ich hinterher.
„Hey, willst du nicht mit auf unser Konzert?“
„AKI!!!“ Ich drehe ihn zu mir um und sehe ihn wütend an. „Bis Morgen, ich rufe dich nachher noch mal an!“ Dann schmeiße ich ihn aus der Wohnung.
Chapter 17
…“Damn!“….
°Nora°
Ich kann es nicht glaube… na klar! Wieso war mir das nicht gleich eingefallen.
Diese Stimmte… In the shadows. Das Konzert war SEIN Konzert…
Lauri steht in der Tür und ich schaue in sprachlos an.
Nervös beißt er sich auf die Lippen und weiß anscheinend nicht so recht was er sagen soll…
„Du bistn Arsch, weißt du das?“ tief sehe ich ihm dabei in die Augen. Er weicht jedoch meinem Blick aus. „Tut mir leid, dass ich es dir nicht gleich….“
„Wieso?“
Er zuckt mit den Schultern… „Keine Ahnung…“
„Du hast nicht mal eine Erklärung?“ da bin ich platt… er hätte sich wenigstens irgendeine Ausrede einfallen lassen können.
„Ich wusste halt nicht, wie du reagierst…“
„Hast du gedacht ich würde nichts mehr mit dir zu tun haben wollen?“ Das verstehe ich nicht.
„Nein“ er atmet tief durch. „Ganz im Gegenteil“
„Lauri! Mann, jetzt sag schon!“
Er schaut an die Decke. Einige Sekunden vergehen, bevor er antwortet.
„Vielleicht wärst du gerade deswegen super freundlich zu mir gewesen und … hättest mich irgendwie verarscht?! Ach ich weiß doch auch nicht. Du hast mich auch nie direkt drauf angesprochen, was ich mache…“ Er klingt sehr verunsichert.
„Ach nein? Und was war das mit dem Konzert?! Das war doch wohl deins! Du warst der Sänger und hast es mir verschwiegen!“
„Ja, ich weiß“
„Schön, dass du es weißt, das bringt dich jetzt aber auch nicht weiter. Du hast mich angelogen… und das vom ersten Tag an. Ich hätte dich nicht anders behandelt als sonst!“
„Ich habe dich nicht belogen! Du hast es mir halt so einfach gemacht es zu verschweigen. Hättest du einfach gefragt, was ich beruflich machen, dann…“
“Ach, also ich es meine Schuld, ja?“ Ich stehe auf und klappe das Brett zusammen.
„Nein so war das nicht gemeint.“
„Hätte ich jetzt auch gesagt!“ Ich klemme es mir unter den Arm und rausche an Lauri vorbei. Der kann mir doch egal sein. Wer versteht sich schon gut mit seinem Nachbarn? Die können sich doch meistens nicht leiden. Und Blacky…wenn du noch einmal an die Wand klopfst, kannst du was erleben!!!
Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen habe, klingelt mein Handy.
Alex! Hoffentlich hat er noch Zeit für mich.
°Lauri°
„Damn! Ich bin ja so ein Idiot!“ Ich lasse mich in den Sessel fallen und starre an die Stelle, wo ich eben noch versucht habe bügeln zu lernen. Meine Hand interessiert mich im Moment nicht, ich überlege nur, wie ich das wieder gut machen kann.
Sie hat Recht, vollkommen Recht. Eigentlich wusste ich doch vorher, dass ich es anders machen sollte… wenn ich bloß nicht so feige wäre.
Ich nehme plötzlich eine Stimme war. Ist das Nora?
Ich gehe zur Wohnungstür und lausche. „Ja… kommst du bitte vorbei?“
Sie telefoniert wohl.
„ ... Ich? Zu dir?... Ja okay, holst du mich ab?... Oh, sicher, versteh ich…dann laufe ich halt…nein, Taxi ist zu teuer…. Ja bis dann ciao“
Ich höre, wie sie ihre Tür aufschließt und sie gleich darauf ins Schloss fällt.
Stille.
War das ihr Freund? Es ist schon stockdunkel und er lässt sie alleine durch Helsinki laufen?
°Nora°
 
Ich binde mir meinen schwarzen Schaal um und ziehe die Jacke über.
Noch ein kurzer Blick in den Spiegel. Nora, du siehst echt scheiße aus!
Ich richte meine Mütze, hatte irgendwie keine Lust mehr mich zu schminken…
Ich streife das weiße Tuch über Jhonnys Käfig und schlüpfe in meine Sneakers.
Die frische Luft wird mir sicher gut tun.
Zum Glück regnet es nicht, stattdessen ist es jedoch sehr stürmisch.
Ich ziehe die Mütze tiefer und der Schaal höher ins Gesicht. Erst jetzt fällt mir auf, dass die Laternen kaputt sind. Ich kenne den Weg in die Stadt in und auswendig, deshalb stört es mich wenig. Außerdem schenkt mir der Vollmond auch ein wenig Licht.
Ein Geräusch… ! Das hörte sich an wie ein Feuerzeug! Etwas panisch drehe ich mich um und erkenne eine dunkle Gestalt, die plötzlich stehen bleibt.
Ich wende mich ab und gehe schneller. Zur gleichen Zeit vernehme ich auch eilige Schritte hinter mir.
Ängstlich schaue ich mich um. Hier muss es doch gleich irgendwo rechts reingehen.
Ah, hier! Ich schleiche um die Ecke, hoffentlich hat er das nicht gesehen und geht geradeaus. Vielleicht wollte die Gestalt ja auch gar nichts von mir und ich bilde mir das bloß wieder ein…
Ich erschrecke als ich plötzlich die Wand vor mir sehe. Ich bin in einer Sackgasse gelandet!!! Auch noch eine klitze kleine. Shit! So hatte ich das nicht geplant, ich bin zu früh abgebogen!
Mit dem Rücken stelle ich mich an die kalte raue Mauer und halte die Luft an, damit ich jeden Laut mitbekommen. Meine Augen sind strickt geradeaus gerichtet.
Da! In Gedanken schreie ich. Warum muss er denn genau DA stehen bleiben?! Geh weiter du scheiß Kerl!
Unbewusst dränge ich mich in die Ecke. *Klirr*
VERDAMMT! Das war irgendwas aus Metall. Schnell schaue ich wieder dahin, wo der Typ stehen sollte. Er ist etwas größer geworden…was? Der kommt auf mich zu!!!!!

 

Chapter 18
… lucky? …
°Nora°
Ich zittere am ganzen Körper und atme schwer.
„Hey!“ raunt mir der Fremde plötzlich entgegen und bleibt drei Meter vor mir stehen.
Ganz ruhig bleibe ich stehen. Vielleicht sieht er mich ja gar nicht und geht gleich wieder.
„Was machst du da?“
Scheiße, er hat mich gesehen. Ich schließe die Augen. Als ich sie kurz darauf wieder öffne erschrecke ich. Er steht genau vor mir!
„W..Was willst du?“ stottere ich leise.
„Mich bei dir entschuldigen. Es tut mir wahnsinnig leid“
Stop! Das ist doch… „Lauri?“
„Ja, bitte verzeih mir“
„Du …du… bist du bescheuert???! Ich hatte Todesangst!“ Ich schlüpfe aus der Ecke an ihm vorbei. „Mach das bloß nie wieder!“ Ich bin zwar erleichtert, dass `nur` er es ist, doch gleichzeitig bin ich wütend auf ihn. Hätte er nicht irgendeinen Ton sagen können? Nein, da läuft er mir still schweigend hinterher …
„Was? Oh, ich dachte du wüsstest, dass ich…“
„Kann ich hellsehen oder was? Es ist stockdunkel!“ schnauze ich ihn an.
Ich bekomme keine Antwort.
„Ou mann…“ Erschöpft lasse ich mich gegen die kalte Wand fallen. Mein ganzer Körper ist verschwitzt…
Ich bin total aufgelöst, Tränen steigen in mir hoch, vergebens versuche ich sie runter zu schlucken, doch das war gerade alles ein bisschen viel für mich.
„Das wollte ich nicht“
Schon wieder zucke ich zusammen und Lauri steht dicht vor mir. Was will er denn noch?
„Ach verschwinde.“ winke ich ab.
„Weinst du etwa?“
Sein Handylicht leuchtet mir entgegen.
„Lass mich doch in Ruhe“ schniefe ich und drehe mich etwas von ihm weg.
Plötzlich spüre ich etwas warmes, zärtliches auf meinen Lippen.
°Lauri°
Ich weiß nicht wie… warum, wieso… aber ich mache es einfach und es fühlt sich verdammt gut an. Es dauert nicht lange, bis sie mich von sich wegschupst.
„Drehst du jetzt völlig ab?“ schreit sie mich an und rennt an mir vorbei.
Ich schaue ihr hinterher und taste meine Lippen ab. Ein Grinsen schleicht sich auf mein Gesicht.
Es ist dunkel, kalt und ich bin alleine, doch ich fühle mich gut…
°Nora°
Ich renne durch die dunklen Straßen. Nicht zu Alex, sondern zu mir!
Lauri hat doch total nen Schaden! Erst bleibt mir fast das Herz stehen und dann küsst er mich?! Er hat mich geküsst! Sollte das seine Entschuldigung sein?
Wenn er das glaubt, täuscht er sich aber gewaltig!
Einfach so…ohne mich zu fragen, er weiß doch, dass ich einen `Freund` habe. Außerdem… heult er nicht noch seiner Ex hinterher?
Oder sollte ich so was wie ne Ablenkung sein? Vielleicht macht ihn das an, dass ich nicht auf ihn stehe… dass ich kein Groupie bin.
Argh… ich könnte gerade alles zerschlagen!! Wie konnte er nur?!!!
Lautstark werfe ich die Tür hinter mir zu.
Kurz tippe ich eine Sms an Alex, dass ich doch nicht kommen kann und werfe das Handy danach aufs Sofa.
Ich will gerade Wasser für einen Tee aufsetzten, als es an der Tür klingelt.
°Nora°
Langsam schleiche ich zur Tür. „Wer ist da?“ frage ich vorsichtshalber.
„Linda, wer sonst?!“ kommt es verwirrt von draußen.
„Gott sei dank“ seufze ich während ich sie reinlasse.
„Wen hast du denn erwartet?“
„Ach niemanden“
„Etwa Alex?“ Sie wirkt etwas geknickt.
„Nein, zu ihm wollte ich vorhin, doch irgendwie hatte ich doch keine Lust mehr.“
Ich schließe die Tür hinter ihr.
„Weißt du, ich hab Alex vorhin gesehen“ fängt sie ruhig an und senkt den Kopf.
„Aha, wo denn?“
„In der Stadt“
„Ja, und?“ Worauf will sie hinaus?
„Mit Naomi… im Arm“
„Naomi? Die Naomi?“ übersetzt : Die Schlampe?
„Ja, und sie sah diesmal ganz schön verliebt aus, wenn ich ehrlich bin“
*schock*
„Also war ich doch nur….“ Sprachlos gehe ich zum Fenster und schaue hinaus.
„Nora, ich hab es dir gleich gesagt. Er ist nichts für dich, du hast was Besseres verdient“
Nach kurzem Überlegen fasse ich einen Entschluss. „Nein, Linda, ich werde um ihn kämpfen, er weiß nichts von meinen Gefühlen… er muss mich nur besser kennen lernen. Wir passen perfekt zusammen“
„Rede keinen Müll. Ihr passt überhaupt nicht zusammen. Er ist hinterhältig, eine männliche Schlampe und…“
“Hör auf so über ihn zu reden!! Vielleicht dachte er ja, ich würde nur mit ihm spielen und deshalb…“
„HÖRST DU DIR EIGENTLICH SELBER ZU??“ schreit Linda mit plötzlich an. „Du reimst dir deinen Scheiß so zusammen, wie dus brauchst!!!! Anscheinend bist du schon blind vor Liebe… wach mal langsam auf! Er hat dich verarscht!! Er wird es auch weiter tun, wenn er’s mal wieder brauch und du keinen Schlussstrich ziehst!!!“
Mein Herz setzt für einen Moment aus. „Nein.“ flüstere ich nur.
°Lauri°
Noch einige Minuten stehe ich so da, dann mache ich mich auf den Weg nach Hause.
Als ich meine Tür aufschließe höre ich Geschrei aus Noras Wohnung. Sie selbst ist es jedoch nicht.
Da ich nicht gerne lausche, ich sogar meistens dabei ertappt werde, gehe ich lieber rein und haue mich vor den Fernseher. Immer wieder schweifen meine Gedanken zu dem Kuss, er dauerte zwar nur 1-2 Sekunden, doch hatte er für mich eine unbeschreibliche Bedeutung.
Es tat plötzlich nicht mehr weh, wenn ich an Kath dachte…
Chapter 19
… no chance, or?...
°Nora°
Inzwischen ist ein Monat vergangen. Lauri habe ich nicht mehr gesehen seit dem Kuss.
Er ist anscheinend nicht zu Hause. Ist auch besser so…
Alex kommt gleich vorbei. Wir wollen Essen gehen. Ich hab ihm meine Gefühle erklärt. Er hat sich dazu zwar nicht geäußert, aber dafür hat er sich für das mit Naomi entschuldigt. Ich glaube er will es echt mit mir versuchen und das macht mich überglücklich. Gestern hat er mich das erste Mal gefragt ob wir miteinander ausgehen, wer weiß, was er vorhat, ich bin ziemlich aufgeregt und stehe schon seit ner viertel Stunde vor meinem Schrank. Was soll ich bitte anziehen?
Ein Kleid? Wieso eigentlich nicht. Die Entscheidung fällt nicht schwer, denn ich besitze nur ein schwarzes halblanges Kleid mit Spagettiträgern. Ist es nicht zu kalt dafür? Nein, Alex holt mich ja ab und im Restaurant herrschen bestimmt keine Minusgrade. Gehen wir überhaupt in ein Restaurant? Er hat gar nicht gesagt wohin. Bestimmt seine Überraschung… für mich.
°Lauri°
Wir sind nur noch unterwegs. Ich dachte ich hätte Urlaub?! Toller Urlaub…
Ich sitze im Kleinbus, an die Scheibe gelehnt, wir kommen grad von nem super Interview, kotz… zum Glück, geht’s jetzt nach Hause.
„Lapsi, mach mal lauter bitte!“ brüllt Aki neben mir nach vorne.
Es heißt Kleinbus!!! Man muss nicht brüllen!!!
Mir ist langsam klar geworden, was ich mit dem Kuss eigentlich angerichtet habe. Sie muss mich jetzt für voll bescheuert halten. Ich habe mehrmals bei ihr geklopft (gegen die Tür), doch sie hat nie aufgemacht. Ich hätte sie auch mit Sms zumüllen können, doch so was kann ich ja selber nicht leiden. Sie braucht bestimmt Zeit. Zeit heilt ja schließlich alle Wunden, oder? Habe ich ihr so wehgetan? Mit was? Mit der Lüge oder mit dem Kuss… dem Hauch von Kuss, eher gesagt. Naja, sie hat einen Freund, vielleicht deshalb. Dieser Kuss hätte auch das Todesurteil für mich bedeuten können, wenn sie es ihrem Freund erzählt hätte. Hat sie aber anscheinend nicht, ist das ein Zeichen? Ein Zeichen, dafür, dass sie mich doch nicht so hasst, oder es vielleicht schön fand?
„Lauri, los jetzt komm!!“ Aki schnallt mich ab und schupst mich aus dem Bus. Oh, ich bin ja schon da. „Lauri hör mir genau zu“ Mikko hat das Fenster runter gefahren und schaut mich ernst an. Was will er denn jetzt schon wieder? „Wir holen dich um halb 10 morgen wieder ab! Bitte sei diesmal pünktlich, hast du verstanden?“
„Ja Mikko, bin ich“ versichere ich ihm und drehe mich zu dem Wohnblock, um gleich wieder zu erstarren.
„Hi, Nora“
°Nora°
Ich schlinge meinen Mantel fest um meinen Körper. Da ich es nicht abwarten konnte war ich schon mal vor die Tür gegangen. Alex wollte mich um sechs abholen, inzwischen war es viertel nach. Gelangweilt schaute ich zu dem Kleinbus, der vor mir hielt.
Die Tür wurde aufgeschoben und ich hörte jemanden „Lauri, los jetzt komm!!“ brüllen. Lauri? Ich verdrehte sie Augen. Och nee, auf den habe ich jetzt gar keinen Bock. Naja, rein rennen und verstecken wäre jetzt ja auch zu kindisch, also bleibe ich hier stehen und beobachte wie der Beifahrer Lauri erklärt, Morgen bloß pünktlich zu sein. „Ja, Mikko, bin ich“ Jaja, Lauri, sicheeeer…
Als das Gespräch beendet ist und er sich umdreht, bleibt er plötzlich starr stehen und guckt mich erschrocken an. „Hi, Nora“ Es war nur ein Flüstern, doch ich habe es verstanden. „Hallo Lauri“ begrüße ich ihn monoton und schaue zur Kreuzung. Ich höre den Bus wegfahren. Wo bleibt Alex denn? Mir wird… nein mir IST kalt!
„Bist du noch sauer?“
Steht er etwa immer noch da? Genervt stöhne ich auf.
„Ich hätte gerne eine Erklärung“ sage ich und wende diesmal meinen Blick nicht von seinen Augen ab. Man kann förmlich sehen, wie er immer kleiner wird.
„Ich weiß auch nicht“ … „es ist einfach so passiert“
…seufz… was erwarte ich eigentlich von ihm… hätte ich mir ja denken können.
In dem Moment kommt Alex mit seinem schwarzen BMW um die Ecke.
°Lauri°
Mit einer Vollbremsung hält er vor ihr und hupt. Keine Sorge Alter, sie hat dich sicher gesehen.
… und ich… ich habs mal wieder versaut. Klar, dass sie eine Erklärung will, aber ich weiß es ja selber nicht. Soll ich sie etwa anlügen?
Nora wirft mir noch einen kurzen verletzten Blick zu, bevor sie ins Auto steigt.
Ja, sie hat einen Freund… und ich habe sie geküsst… dazu zu Tode erschreckt und sie angelogen… und nichts kann ich erklären!!!
Jap, Lauri, und die zweite Chance hast du gerade verpatzt.
Der BMW rauscht an mir vorbei.
Verdammt, ich muss mir irgendwas einfallen lassen…
Chapter 20
…unexpected…
°Nora°
„Warum hältst du hier an?“ frage ich verwirrt als ich neben mir ein Mc Donalds entdecke. Klar, ich esse auch gerne Fast Food, aber ich hatte mir eigentlich etwas anderes vorgestellt. Da hätte ich ja auch nen Jogginganzug anziehen können…
„Na ich habe Hunger, was denkst du denn?“ kommt es schlau von Alex zurück und er steigt aus. Na toll, also nichts mit romantik oder so…
Alex klopft an mein Fenster. „Kommst du?“ höre ich gedämmt.
Er bestellt drei Bürger, ne Portion Pommes und eine große Cola. Als Nachtisch gönnte er sich noch einen Milchshake.
Während er das Zuckerzeug trinkt, bin ich am Ende meines zweiten Chickenburgers und schlürfe meine kleine Fanta aus. Ich stelle mein Getränk gerade lehr auf das Tablett, da fragt Alex zu schon gleich, ob wir bitte gehen können.
„V…von mir aus.“ Er verwirrt mich immer mehr.
„Zu mir oder zu dir?“ Er nimmt frech grinsend NUR sein Tablett und räumt es weg.
Bei mir angekommen, schmeißt er sich auf die Couch und gluckst mich komisch an.
Ich schließe die Tür, hänge erstmal desinteressiert meine Jacke auf und ziehe die Stiefel aus. So ein enttäuschender Abend…
Plötzlich schlingen sich zwei Hände um meinen Bauch, grabbeln nach unten und ziehen das Kleid etwas hoch.
„Alex, nein!“ sage ich streng und drücke ihn von mir weg.
„Ich dachte du stehst auf mich.“ fragt er perplex und böse zugleich.
„Ja, aber das heißt nicht, dass ich nur mit dir schlafen will.“ erkläre ich.
Unerwartet verdreht er nur die Augen und stöhnt genervt auf. „Weiber.“
„Aha“ sage ich etwas abwertend und verschwinde in der Küche.
Als ich mir gerade ein Glas Orangesaft einschenke, kommt er auch wieder angeschlichen… will er sich etwa entschuldigen?
„Och komm schon du hast doch auch Lust, ihr Frauen machst das doch immer so, um uns zu zeigen, dass ihr nicht von und abhängig seid, oder so.“ Er beginnt an meinem Hals zu saugen und ich lasse prompt die Glasflasche fallen. Alex schreckt zurück.
„Ach Fuck“ fluche ich leise und versuche das Zeug mit Küchenrolle aufzusaugen.
„Wie bist du denn drauf? Guck MICH doch mal an!!!“ beschwert sich Alex.
„Oh, nein! Ein paar Saftspritzer an deiner Hose“ Ich verdrehe die Augen und sammle einige Scherben auf.
„Dafür bist du mir was schuldig!“ sagt er todernst.
°Lauri°
„FASS MICH NICHT AN!!!“
Ich schrecke hoch. Nora!
Ohne weiter zu überlegen, stürme ich aus dem Wohnzimmer, raus aus meiner Wohnung und schlage wie bekloppt an ihre Tür. „Noraaaa!!!“
Ein Knall ist zu hören! …Stille.
Plötzlich steht dieser Alex vor mir und schaut mich scheinheilig an. „Nora ist gerade im Bad, möchtest du was Bestimmtes?“
„Kann ich nicht mal kurz reinkommen?“ …nur um ganz sicher zu gehen, dass es ihr gut geht… füge ich in Gedanken noch hinzu.
„Nein!“ sagt er laut, sänftigt seine Stimme doch gleich wieder. „Wir wollten grad… du weißt schon“ zwinkert er grinsend.
„A…Achso…“ Vielleicht hatte ich mich ja echt getäuscht. Dass ich Hallos habe ist ja nichts Neues. Mir ist das grade irgendwie peinlich. „O…Okay, dann komm ich morgen wieder“ lächle ich gequält.
Jemand trommelt gegen eine Tür. „LASS MICH HIER RAUS!!“
„Ja mach das“ sagt Alex schnell und will mit die Tür vor der Nase zuschlagen, doch diesmal bin ich schneller „STOP!“ Ich halte dagegen. Hatte ich also doch Recht! „Was machst du mit ihr?“ so schlank wie ich bin schlüpfe ich flink an ihm vorbei und renne zum Bad, wo niemand ist.
„VERPISS DICH, DU KNIRPS!!!“ Oh oh, der große kommt auf mich zu.
„WO IST SIE?“ versuche ich genauso sicher zu wirken.
„Lauri? Lauri! Ich bin hier!“ Aha, im Schlafzimmer.
„Kleiner, das wirst du bereuen!“ droht Alex mich und hat mich schon am Oberarm gepackt. Einen Moment später sehe ich nur noch Sterne.
°Nora°
Warum… warum ist es jetzt so ruhig?
„Lauri?“ flüstere ich und quetsche mich noch mehr an die Tür. Plötzlich wird diese aufgemacht und ich fliege fast auf die Schnauze, doch mich fängt jemand auf.
„Wir gehen zu mir!“
„Alex, nein, was hast du mit ihm…“ Die Antwort auf meine Frage liegt neben meiner Couch. Seine Nase blutet fürchterlich. „LAURI“ schreie ich verzweifelt, doch er regt sich nicht.
„Nicht so laut Baby.“ Alex hält mir die Hand vor den Mund.
Moahhh, dieses Schwein!!! So fest wie ich kann beiße ich ihm in den Finger und er schreit wütend auf. „Du kleines Flittchen!!!“ Er packt mich an den Haaren und schleift mich ins Treppenhaus, öffnet den Fahrstuhl.
Ich schreie mir beinahe die Seele aus dem Hals doch niemand hört mich… oder will mich nicht hören, wie auch immer. Nachdem wir aus dem Fahrstuhl gestiegen sind zieht er mir fast die Haare aus und ich verspüre solch einen Scherz, dass ich aufgebe mich irgendwie bemerkbar zu machen.
„Ich weiß gar nicht was du hast, ich will dir doch auch gar nicht wehtun, du sollst nur mitkommen und ein wenig Spaß haben. Du bist selbst dran Schuld, wenn du dich so wehrst und der Zwerg hats auch verdient.“
Traurig schaue ich zu Alex hoch, der mich nun fest an der Hüfte gepackt hat. Es muss aussehen, als ob wir ein glückliches Paar wären, ja so hatte er es bei Naomi doch auch gemacht. Er drückt mich immer fester an sich und gibt mir einen Kuss auf den Kopf, als wir vor seinem Auto stehen. „So jetzt steig brav ein und zick nicht wieder so rum, ja?“

 

Chapter 21
…understandig…
°Lauri°
Ich schlage die Augen auf. Was ist denn das für ein ekliger Geschmack in meinem Mund? Blut? Wo bin ich hier eigentlich?
Erst als ich das Federvieh entdecke kommen die Erinnerungen wieder. Wo ist er? Vor allem WO IST SIE?
So schnell ich kann stehe ich auf, doch ein gemeiner Scherz lässt mich das Gesicht verzerren. Ich fasse mir an die Nase. „ACH VERDAMMT!!!“ Gebrochen! Das spüre ich. Und überall Blut! Ich hasse Blut… Schnell wende ich den Blick davon ab. Das Zeug hat mich schon einige Male umkippen lassen. Is nur Ketschup Lauri… nur rotes Tomatenzeug…rede ich mich ein und turkel aus der Wohnung. Eigentlich will ich ja die Treppe runter rennen, doch als ich dann plötzlich sehe wie das Blut… MEIN Blut, auf den Holzboden tropft, bleibe ich stehen.
Du musst dich konzentrieren… bloß nicht wieder schlapp machen!
°Nora°
„Ich hab keine Lust mit zu dir!“
Entsetzt sieht er mich an, lässt die Autotür zu, dir er mir gerade öffnen wollte, damit ich einsteige.
„Überhaupt habe ich keinen Bock mehr auf dich!“ fauche ich weiter. „Du bist so langweilig, was meinste warum ich nicht mit dir poppe?! Du bist einfach nur schlecht!!! Such dir nen neues Weib, was du zu Tode langweilen kannst!“
Eigentlich hätte ich geheult und ihn gefragt, warum er das alles tut, doch diese Lösung gefiel mir irgendwie besser. Überraschung! … so sah Alex zu mindest aus… überrascht…
„Ach, dann nimm doch den Zwerg darinne!“ brüllt er mich plötzlich an.
Heißt das jetzt…? Nein, Nora! Nicht überlegen, weiter machen!
„Ja, werde ich, Lauri ist bestimmt um einiges besser als DU!“ Ich will zwar nichts von ihm, aber das muss Alex ja nicht wissen.
„Na, wenn du auf kleine Schwänze stehst!“ wütend steigt er in sein Auto und braust davon.
Das ging ja einfach. Ich hab es geschafft! Niemals hätte ich gedacht, dass ich hier irgendwie rauskommen würde. Ich hatte es schon beinahe vor Augen, wie er mich in deine Wohnung schleift und…Stop! Lauri! Den hätte ich ja fast vergessen…
Wie eine Irre renne ich die Treppen hoch, Fahrstuhl wäre zwar bequemer, hätte aber länger gedauert.
Angewurzelt bleibe ich vor der letzten Stufe zu meiner Wohnung stehen. Wie kommt der denn plötzlich da hin?
°Lauri°
Ihh.. das ist etwas Kaltes in meinem Gesicht…
„Autsch“ Ja, Lauri, hau dir selbst auf die Nase!
„Lauri? Bist du wach?“
Ich blicke ins helle Zimmer und muss sofort lächeln, als ich Noras wunderschöne blau-graue Augen über mir entdecke.
„Wie geht’s dir?“ fragt sie sanft und nimmt dieses in-ein-Tuch-gewickeltes-Eis-Dingen von meiner Nase.
Ich kann irgendwie nicht antworten, bin einfach so glücklich, dass sie hier ist und Alex ihr, wie es scheint, nichts angetan hat.
„Hast du deine Stimme verloren?“
Grinsend schüttel ich den Kopf. Obwohl, ich habs ja noch nicht ausprobiert.
„Sag mal, wie bist du da draußen ins Treppenhaus gekommen?“
Wieso dahin? Ich liege doch ihn einem Bett. In IHREM Bett!
„Wie hast du mich denn ins Bett gekriegt?“ stelle ich die Gegenfrage. Oh, eindeutig-zweideutig… hehe…
°Nora°
Hat er keine Schmerzen? Wieso grinst er denn so versaut… und das die ganze Zeit????
„Naja, du bist nicht grade schwer… also nicht so schwer, wie manch anderer, mein ich. Ich hab dich einfach an den Armen bis hierher gezogen und dich irgendwie hier drauf gehievt.“
„Ich muss aber ins Krankenhaus“ kommt es prompt von ihm.
Da stellt sich aber einer an. „Wieso? Liegst du im Sterben?“ lache ich auf.
„Nein, aber meine Nase ist gebrochen“
Kichernd kneife ich ihm in seine Hamsterbäckchen. „Die ist nicht gebrochen…keine Sorge… guck!“
„AUA, lass das!“ Schmollend hält er schützend seine Hände vors Gesicht.
„Hast du Lust aufn Tee?“
„Neee, aber nen Bier wär nicht schlecht“ knurrt er.
„Ich hab nach Tee gefragt!“
“Und ich nach Bier“
„Ich hab kein Bier“
„Dann nehm ich nen Schnaps“
„Lauri!“
„Okay, und was ist mit Kaffee?“
„Meinetwegen, stark oder schwach?“
„Was meinst DU denn?“ Er nimmt die Hände weg und wippt mit den Augenbrauen.
„Schwach“ gebe ich trocken zurück.
°Lauri°
Ich seufze. „Nein, stark. So stark wies geht, bitte.“
Nora nickt und verschwindet aus dem Raum. Sie ist irgendwie so ernst… anders als sonst.
Was hat sie eigentlich mit ihrem Freund gemacht? Hat ihr wer anders geholfen? Nein, der jenige wäre sonst noch mit hier… Hoffentlich hat sie nicht einfach das gemacht, was er wollte… sonst würde er immer wieder kommen…
Sie ist bestimmt enttäuscht von mir, weil ich Alex nicht fertig machen konnte… ich bin ja selber sauer auf mich, ein Schlag und ich bin k.o., ein Tropfen Blut und ich kippe um.
Das passiert doch keinem MANN!!
Naja, jetzt verstehe ich wenigstens, warum Hanna mich noch Babyface nennt.
„Da ist aber einer am Grübeln“ lächelnd kommt Nora mit einem Tablett auf mich zu und setzt sich an die Kante des Bettes.
„Was hat er gemacht?“ Hätte ich die Frage nicht schon am Anfang stellen sollen?!
„Wer? Alex? Ich hoffe der hat nen Unfall gebaut, so wie der gefahren ist“
„Was wollte er von dir?“
„Ich sollte mit ihm kommen, doch ich hab ihm gesagt, dass ich keinen Bock mehr auf ihn habe…“
„Und dann?“
„Dann hat er mich angebrüllt, dann solle ich doch dich nehmen und so und dann ist er weggerast“
„Was mich?“
°Nora°
„Ja…“ lache ich. „Ich hab dann noch gesagt, dass du bestimmt tausendmal besser im Bett bist und das hat ihn anscheinend tief getroffen.“ Das mit dem `kleinen Schwanz` lasse ich lieber weg…
„Das hast du gesagt?“ er sieht mich fassungslos an.
„Ja, aber nur so, was sollte ich denn sonst sagen, neee, der Lauri… das ist doch nur mein Nachbar… wär doch ziemlich blöd angekommen, meinst du nicht?“
Seine Miene wird traurig. „Ja, haste Recht.“
°Lauri°


Es ist 22:00 Uhr und ich trinke Kaffee, wie viele Löffel hat die da rein gehauen? Vier? In eine Tasse, versteht sich… das wird ne lange Nacht, Lauri… such dir schon mal ne tolle Beschäftigung aus.
„Du, ähm… ich habe morgen ganz früh ne Vorlesung…“ fängt Nora an zu stottern und steht auf.
Ich nicke, will aufstehen und schmeiße die Decke zur Seite. „Du hast mich ausgezogen!“ stelle ich geschockt fest und starre auf meine nackten Beine.
„Deine ganzen Klamotten waren voller Blut, ich wollte meine Decke doch nicht schmutzig machen, hast du nicht gemerkt? Du hast auch nen übergroßes T-shirt von mir an.“
Sie hat Recht… Was steht da drauf… ? „In die richtigen Augen, du Arsch?“
Grinsend nickt sie. „Schade, dass du keine Möpse hast, sonst hät ich’s dir geschenkt. Sonst stehts dir nämlich echt gut“
„Oh, wie nett, mir steht ein Frauen t-shirt“ bedanke ich mich und stehe auf. „Mein Hose?“ frage ich beiläufig.
„In meiner Waschmaschine.“
„Du hast schon ne Maschine angeschmissen?“
„Jor, geht doch schnell“ zuckt sie mit den Schultern. „Außerdem hättest du nie die Flecken rausbekommen, aber ich hab so nen Spezialzeug… mein Geheimnis“
„Ich hätte mir einfach ne neue gekauft.“ meine ich hilflos und stehe auf.
Sie gibt mir keine Antwort sondern mustert mich nur und grinst sich einen ab.
°Nora°
Wie der da vor mir steht… verwuschelte Haare, müde Augen, dieses bei mir große, doch bei ihm hauteng sitzende T-shirt mit der Aufschrift: `In die richtigen Augen, du Arsch!!!`, eine hellblau-weiß kartierte Boxershorts und schwarze Strümpfe.
„Du siehst grade richtig…“
„…Scheiße aus, ich weiß“ beendet er und läuft seufzend an mir vorbei.
Warum ist er denn plötzlich so schlecht drauf, ich mach doch nur Spaß….
°Lauri°
Schnaufend gehe ich zur Tür. Was habe ich erwartet? Eine Entschuldigung, vielleicht? Nur für was?
„Lauri warte…“ Nora kommt zu mir gerannt und hält die Tür zu, die ich gerade voller Wut aufreisen wollte… ich wollte!… ob ich’s gemacht hätte, wäre ne andere Sache gewesen.
„Ich dachte ich sollte gehen“ sage ich genervt.
„Ich habe mich aber noch gar nicht bei dir bedankt..“ schüchtern lächelt sie mich an und umarmt mich kurz… *verkrampf* „Ich würde gerne mit dir noch mal über alles reden, hast du morgen Zeit…nur auf nen Cafè oder so, bei mir?“ fragt sie unsicher.
Ich nicke. „Um Drei?“
„Besser halb vier… ich komme erst um Drei nach Hause.“
„Okay… darf ich jetzt?“
Verwirrt schaut sie auf und springt von der Tür weg. „Ja…ja, klar.“
„Gute Nacht.“
„Bis morgen, schlaf gut“
…das werde ich ganz sicherlich nicht!...
Seufzend nehme ich ein Bier aus dem Kühlschrank, öffne es und trinke einen großen Schluck. Vorsorglich greife ich mir noch eine zweite Flasche und verziehe mich ins Wohnzimmer, wo der Fernseher noch läuft. Stimmt, ich bin vorhin ja einfach abgehauen.
Eigentlich hätte sie sich ja gar nicht bedanken müssen, immerhin habe ich nicht wirklich was gemacht… ich hab eins auf die Fresse bekommen, das wars. Sie wäscht sogar meine Klamotten, Gott ich komme mir so … schäbig vor? Immerhin Ich habe ich ihre die ganze Bude voll geblutet, halte sie abends wach, obwohl sie morgens früh raus muss… Mich hätte sie gar nicht gebraucht, um ihn loszuwerden. Nora kommt gut alleine klar, macht sie ja schon immer…
Ich weiß auch schon über was sie morgen mit mir reden will…. Boah, ich bereue echt langsam, dass ich sie geküsst habe… kann sies nicht langsam mal abhaken?! Sie sollte mal nachdenken, eigentlich kann sie doch auch selbst drauf kommen, oder?!
Chapter 22
…tell it like it is….
°Lauri°
„Lauri?? LAURI!!! MACH AUF, ICH WEISS, DASS DU DA BIST!! Verdammt, legst du grad nen Ei oder was? LAURIIIIII!!!!“
Ich taumel zur Tür. „WAS IST?“ brülle ich meinen Freund an, der einen Schritt zurück tritt.
„Wie siehst du denn aus?“
„Aki, sag mir was du willst?“ Ich lehne mich an den Rahmen und schließe die Augen.
„Hast du die Nacht durch gemacht?“
Nickend gähne ich. „Ich bin um sechs ins Bett, kannst du mich jetzt bitte weiter schlafen lassen?“
„Warum ist deine Nase so bunt?“ Aki streckt seine Hand aus.
„NICHT ANFASSEN!!!“ schlage ich sie weg.
„Hast du dich geprügelt? Boah, das sieht echt schlimm aus, rot, blau, grün….“
„Ich frage noch mal, warum bist du hier?“
„Okay, erstens wollte ich fragen, was wir heute Abend machen…“
„Hättest du da nicht anrufen können?“
„Da kommen wir auch schon zu Punkt zwei. Ich wollte schauen, ob deine Wohnung auch nicht am Verschimmeln ist, seit Katha weg ist.“
Ich verdrehe die Augen. „Können wir das auf später verschieben?“
„Jaja, das könnte dir so passen, dann kannst du ja noch schnell aufräumen… nein, nein, ich gucke jetzt mal kurz durch.“
„Aki, ich bin todmüde!“
„Kannst ja auch sofort weiterträumen.“ Er schleicht an mir vorbei.
„Wessen Idee war das?“ frage ich trocken. Denn Akis sicherlich nicht…
„Eeros, wessen denn sonst?!“
„Entschuldige bitte die blöde Frage….“ Und da Eero keine Zeit, wegen seiner Familie hat, hat er Aki vorgeschickt…schon klar.
„Willst du im Müll ersticken?“ kommt es aus der Küche.
„Nein wieso?... Och Aki… räum doch nicht alles aus… bei dir siehts bestimmt auch nicht wie geleckt aus“
„Wo meinst du genau?“ er grinst mich frech an.
„Schon gut.“ Winke ich ab. „Wenn du fertig bist, mach die Tür bitte LEISE zu, ich leg mich wieder hin.“
„Und was ist mit heute Abend“
„Telefon.“
Wie viel Uhr ist es eigentlich? …neun Uhr…?! Oh Gott, ich hör mein Bett nach mir schreien….
°Nora°
*kling*
Der Fahrstuhl öffnet sich. Vor meiner Tür lasse ich erst mal alles fallen und suche nach meinem Schlüsse.
Ich der Seitentasche des Rucksacks werde ich dann fündig. Schnell schließe ich auf und laufe gehetzt in die Küche, wo ich die eben gekauften Gebäckstückchen auf einem Teller verteile.
Fünf vor halb vier. Die letzte Vorlesung hatte etwas länger gedauert und dann hatte der eine Bäcker auch nicht genau DAS, was ich wollte…
Ich koche Kaffee und verstaue erstmal mein ganzes Unizeug im Schlafzimmer.
Jhonny dreht nebenbei ein paar Runden durch Wohnzimmer und landet auf meiner Schulter, als ich gerade den Tisch abwische und decken möchte.
„Na du und wie war dein Tag so?“ Ich kraule ihn kurz am Bauch.
Plötzlich klopft jemand zaghaft an der Tür. Ist es etwa schon so weit? Ach Mist!
Als ich öffne erschrecke ich etwas. „Autsch“ sage ich mit einem verzerrten Gesicht. „Deine Stupsnase ist zu einer dreifarbigen Kartoffelnase geworden“
„Danke, auch einen schönen guten Tag“
Hab ich jetzt wieder was Falsches gesagt?
Nein… er lächelt… puh, Glück gehabt… bei ihm weiß man das immer nicht so genau…
°Lauri°
„Deine Stupsnase ist zu einer dreifarbigen Kartoffelnase geworden“
„Danke, auch einen schönen guten Tag“ sage ich ernst, schaue kurz in ihr verunsichertes Gesicht und lächle dann… ja… ich verstehe auch Spaß…
Was ist das…? Hinter ihrem Kopf taucht etwas Grünes auf… ach der Vogel….
„Ich bin grad erst gekommen, dauert noch ne kurze Minute, nimm schon mal Platz.“
Wie kann ne Minute kurz ein??? Die ist doch immer gleich lang. Ich setze mich und sehe plötzlich, wie dieses grüne Federvieh über meinem Kopf vorbei fliegt und auf seinem Käfig landet. Bleib bloß dasitzen… !
Mh… ich könnte ja auch mal ganz aus Versehen das Fenster aufmachen…hehe…Mögen Vögel Rauch? Ich glaube nicht… Ganz provokant stecke ich mir eine Zigarette an und puste den Qualm zu `Hansi`.
„Hey!!!“ Nora kommt aus der Küche.
Ups… Ich setze mich wieder gerade hin und grinse unschuldig… „Sorry.“
„Er ist Nichtraucher…“
„Gut zu wissen.“
Sie stellte das Geschirr ab. „Wie kannst du so ein Tier nur nicht mögen?“
„Es hat einfach zu viel Ähnlichkeit mit einem Papagei… so bunt und…“
„Er ist grün…“ unterbricht sie mich.
„Ja, sag ich ja, bunt… und der Schnabel…“
„Grün ist nicht gleich bunt, Lauri.“
„Ich sag am besten gar nichts mehr…lass uns das Thema wechseln.“ …seufz…
„Kaffee?“
„Ja gerne.“
°Nora°
„Mh, lecker…. Was ist das? Das hab ich noch nie gegessen“
„Blätterteig mit Marmelade gefüllt.“
„Boah, die muss uns Mikko auch mal holen….“ Lauri schlingt den letzten Bissen herunter.
„Mikko?“
„Unser Manager“
„Achso…“ stimmt ja, das hätte ich schon beinahe wieder vergessen. Er ist ja inner Band. „Musst du heute noch irgendwie weg? Termine?“
Während er seine Tasse ansetzte schüttelt er den Kopf und trinkt einen Schluck. „Aki und ich…. und die anderen halt….wollen heute Abend vielleicht irgendwas unternehmen….“
„Achja, was denn? Sinnlos besaufen?“ Lauri schaut mich verwirrt an. „Naja, mit deiner Nase wirst du heute keine Weiber aufreißen können“ erkläre ich ihm.
°Lauri°
„Ach, ich muss dir auch noch was sagen“ wird Nora plötzlich wieder ernst. „Alex war nicht mein Freund…. Ich habe mir gewünscht, dass er es wäre, aber ich war anscheinend nie wirklich wichtig für ihn… außer wenn es um Bettgeschichten ging.“
„Ihr ward nicht…?“ Ich bin sprachlos.
„Nein.“ Sie senkt den Kopf.
„Dann war das ja gar nicht so schlimm, dass ich dich geküsst habe“ platzt es aus mir heraus. Uuuups….
Nun starrt SIE mich an und weiß nicht, was sie sagen soll.
„Na ja, eigentlich ging es ja um was anderes, ich weiß“ sage ich schuldbewusst… obwohl, worum ging es eigentlich?
„Ich fand es halt komisch, erst lügst du mich an, dann verfolgst du mich, jagst mir Angst ein und dann, wenn ich hilflos dastehe, küsst du mich einfach. Ich versteh das nicht, dachte wir wären Freunde.“ sagt Nora verunsichert.
Mist, jetzt soll ich’s ihr wieder erklären… „Das war alles spontan, ich hab das nicht geplant. Ich habe nur mitbekommen, dass du zu Alex laufen willst, als du vor meiner Tür telefoniert hast…“
„Ach Lauschen tust du auch noch?“
„…lass mich doch mal ausreden! Ich lasse einfach kein Mädchen, nachts alleine durch die Stadt laufen… außerdem wollte ich mich auch bei dir entschuldigen, ich hatte keine Lust auf eine schlaflose Nacht wegen diesen Schuldgefühlen…. Doch anscheinend habe nur alles noch schlimmer gemacht.“ Ich seufze und schlage die Hände vors Gesicht.
„Es wars einfach nur im falschen Zeitpunkt…“
„WAS?“ … das hat sie grade sehr leise gesagt, habe ich das richtig verstanden?...
„Nein, nein, so war das nicht gemeint. Nur ich hätte vielleicht nicht soooo überreagiert wie in dieser Situation, verstehst du?“
„Wie hättest du denn sonst reagiert?“ frage ich etwas aufdringlich. Jetzt oder nie.
„Du hättest mir gesagt, dass es nur ein Versehen war und dann wär die Sache gegessen.“
„Achso.“ Ich starre auf den Boden.
„Das war es doch auch nur oder?“ Nora beugt sich ein wenig runter um mir in die Augen sehen zu können.
Mh… was soll ich jetzt antworten?
„Ja, natürlich“ sage ich ganz selbstverständlich und stehe auf. Das reicht jetzt erstmal für den Tag, um mich in meine Wohnung zurück zu ziehen und Bier zu trinken. Hab ja noch ne Kasten…
Shit, neee… Aki wollte heute Abend ja was machen.
„Ach, willst du heute Abend eigentlich mitkommen?“ frage ich etwas gelangweilt.
„Ja, gerne!“ freudig hüpft sie auf. Hat die gerade `Ja` gesagt?
„Wo geht’s denn hin?“
„Wissen wir noch nicht. Aber ich sage dir Bescheid, wenn Aki mich angerufen hat.“
„Ach willst du echt den weiteeeen Weg zu mir rüber laufen?“ fragt sie lächelnd.
„Werde ich wohl müssen.“ Gezwungen erwidere ich es. „Danke und bis nachher, ich leg mich noch ein bisschen hin, damit ich heute Abend auch durchhalte.“ So, meine bunte Nase muss jetzt lang werden, wie bei Pinocio.
„Okay, bis dann.“

 

Chapter 23
…party…
°Lauri°
Ich lasse mich vor den Fernseher fallen, exe die halbe Flasche eis kaltes Bier und lege die Beine Hoch.
>…. dachte wir wären Freunde….<
>…falschen Zeitpunkt…<
>…nur ein Versehen…<
„Ach die kann mich doch mal!“ fluche ich leise und zünde mir einen Glimmstängel an. „Ich kenne genug Mädchen, die auf mich stehen und die ich ganz leicht rumkriege…vielleicht nicht heute Abend, aber beim nächsten Mal.“ Blubber ich mich selbst überzeugend voll, als mein Handy plötzlich klingelt.
„Ja?“
„Lauri?“…es ist Aki… „Ich bins, Aki“
„Ja?!“
„Hast du heute Abend Zeit?“
„Ja.“
„Heute legt wieder der Luxusdampfer ab. Hast du Lust?“
„Die finnische Sauf-See-Reise?“
„Jep genau, Kabine 30 Euro pro Person. Und Alk super günstig…!“
„Mh… hätte schon Lust, mal wieder was anderes.“
„Wieso überlegst du dann?“
„Ich habe Nora gefragt, ob sie mit will.“
„Deine süße Nachbarin?“
„Ja.“
„Dann nimm sie doch mit. Pauli will Lucy auch fragen, ob sie Bock hat.“
„Lucy? Die kleine Schwester von Mikko? Hast du nen Knall?“
„Ach so klein ist die gar nicht mehr. Knaggische 20 Jahre.“
„Mh… na gut, was ist mit Eero?“
„Er und Nea sind sowieso dabei“
„Die beiden Antialkoholiker, doch immer in Partylaune“ lache ich kurz in den Hörer.
„Ja, genau.“
„Wann legt sie ab?“
„Um 21 Uhr“
°Nora°
Wieso ist er denn so schnell gegangen? Wollte er echt schlafen? Das nehme ich ihm irgendwie nicht so ab.
Wer schläft denn schon um diese Uhrzeit, nachdem er zwei Tassen Koffein in sich hat?!
Naja, seine Sache, ich bin nur froh, dass sich das endlich mit diesem blöden Kuss geklärt hat.
Langsam fange ich an, abzuräumen, wische ein wenig Staub und sauge durch. Als ich dann gerade ins Bad gehen will, klopft es schon wieder an der Tür.
Diesmal ist es sicherlich nicht Lauri….
„Lauri? Wolltest du nicht… nein, äh, was gibt’s?“ lassen wir das, ich will ihm jetzt nichts vorhalten. Ist ja auch nicht so wichtig.
„Aki hat mich grade angerufen.“
„Oh ja, wo gehen wir hin?“ da bin ich jetzt aber mal gespannt.
„Kennst du die finnische-Sauf-Seereise mit 7 Decks, einem Salon, Disco, Bar, Schwimmbad…“
“Ja, kenn ich“ unterbreche ich ihn. Er will aber doch nicht…?
„Der Dampfer legt heute Abend ab.“
„Ihr wollt…? Das ist doch viel zu teuer!“ nagut, für sie nicht….
„Nein, eben nicht, die Kabine alleine 30 Euro, Alkohol ist total billig da, nur der Eintritt überhaupt ist etwas happig. Aber das kann ich dir bezahlen.“
“Ich lass mir nichts von dir bezahlen. Ja ich komme mit, aber dafür komme ich schön selber auf“ sage ich erster als gewollt.
„Okay“ lächelt er und geht wieder zu seiner Wohnungstür. „Um halb neun werde ich bei dir Sturmklingeln.“

 

°Nora°
Nachdem er gegangen ist, stelle ich die Klingel ab… wer weiß, ob das ernst gemeint war.
Eigentlich wird es gar nicht nötig sein. Ich bin immer pünktlich!
°Lauri°
Ich begebe mich auf den Balkon um eine zu rauchen.
Weiber… können von Männern nichts annehmen! Nun gut, es gibt auch andere… da spreche ich aus Erfahrung.
Plötzlich höre ich ein leises Knartschen. „Lauri, darf ich Linda fragen, ob sie mit möchte?“
Rechts steht Nora auf ihrem Balkon und schaut mich zähneklappernd an. So kalt ist es doch gar nicht….
„Na klar.“ meine ich selbstverständlich. Da brauch sie mich doch nicht fragen…
Einige Minuten später springe ich noch unter die Dusche und style meine Haare, was immer verdammt lange dauert. Unter ner halben Stunde läuft da gar nichts… also NUR das stylen.
Um 20 Uhr stehe ich vor meinem Schrank und habe kein Plan was ich anziehen soll. Ein Hemd? T-shirt? Oder Pulli? Vor allem, welche Hose???
Nach zehn Minuten habe ich mich für meine schwarze Baggy, einen schwarzen Nietengürtel und ein schwarzes Hemd entschieden. Sehr farbenfroh, so bin ich halt… Einen Pulli nehme ich notfalls mit, wenn es noch kälter wird.
Im Nachhinein hätte ich auch gerne meine Mütze aufgezogen, doch dann wäre das ganze Stylen umsonst gewesen… und DAS wollen wir ja nicht…
Ich schlendere ins Bad, putze mir noch die Zähne und trage ein wenig Kajal auf. Das mache ich zwar meistens nur bei Shows, aber bei so einem Abend kann ja mal eine Ausnahme gemacht werden. Es betont immerhin meine Augen…
Mann, kann ich eitel sein…
Punkt halb neun, stehe ich vor Noras Tür, die komischerweise nur angelehnt ist.
Neugierig trete ich ein und entdecke Linda vor dem Vogelkäfig, wie sie `Hansi` hin und her schaukelt.
„Nabend“ sage ich mit tiefer Stimme und sie dreht sich blitzartig um.
„Boah, hast du mich erschreckt!“ erschöpft fasst sie sich über die Brust.
„Nora, noch nicht fertig?“
„Doch, doch, sie telefoniert nur grade mit ihren Eltern... und das schon seit fünfzehn Minuten, also kann es nicht mehr lange dauern.“
Ich nicke, setzte mich und betrachte in Gedanken versunken die kleine staubfreie Kommode neben der Tür.
°Nora°
„Ja, Mama….mach das… genau… jaaaahaaaa…. Tschüss Mama… nein ich leg jetzt auf…. Wünsch ich dir auch…. Bye.“
Puuuh, geschafft. Woher soll ich denn wissen, was sie Vater zum Geburtstag schenken soll? Ich werde ihm, wie jedes Jahr irgendwelche finnischen Bücher schicken. Die liest er nämlich am liebsten.
Mit schrägem Kopf stehe ich vor dem Spiegel und zupfe an meinem Top rum.
`Bin ich eigentlich bescheuert? Auf dem Dampfer ist es sicherlich arschkalt!` kommt mir plötzlich ein Gedanke.
`Na gut, dafür hab ich die Jacke, drinnen ist es bestimmt warm…` …toll…
Dieses Pro und Contra bringt mich auch nicht weiter….
Was hat Linda noch mal an? Ich stecke den Kopf aus der Tür.
Oh, mein Nachbar ist ja auch schon da….
„Lauri, was hast du denn mit der Nase gemacht?“ höre ich sie fragen.
„Ach…ähm… hingefallen…“
Klasse Ausrede….
Ich schließe mich wieder im Schlafzimmer ein. Okay, sie hat ein Kleid mit übermäßigem Ausschnitt an.
Mit einem farbenfrohen Kleid kann ich leider nicht dienen, dafür aber mit dem Ausschnitt…hehe… Ich rupfe mein lila-schwarz gestreiftes Top bis zum geht-nicht-mehr runter und ziehe mir eine silberne Kette an, deren Anhänger genau bis zu Brusthöhe geht.
Die schwarz, eng anliegende Jeans lasse ich jetzt einfach an. Ich bin sowieso spät dran.
Stürmisch hüpfe ich ins Wohnzimmer. „Nicht meine Schuld“ sage ich nur zu Lauri und kralle mir meine Tasche.
„Ich hab schon gehört…“ grinst er. „Hat die Mami sich Sorgen gemacht ja?“
„Ja hat sie…“ Wow, sieht der heute Abend gut aus….
°Lauri°
Linda dackelt mir hinterher zur Tür. „Dann kanns ja losgehen!“
Nora schwingt sich gerade den Mantel über, da fällt mir erst jetzt ihr Outfit auf. Ich stelle mich vor sie und räuspere mich. „Schöne Kette.“ grinse ich frech und sie erwidert es. „Danke, schönes Hemd.“ „Hast du ja auch gebügelt.“
„STOP! Ich will net, dass das Ding ohne uns los schwimmt. Also…“ Linda reißt uns beide auf den Flur.
„Los schwimmt?“ frage ich verwirrt und drücke den Fahrstuhlknopf.
„Dann eben, fährt.“
Nur zehn Minuten später sind wir am Hafen angekommen und treffen und mit meinen Kollegen.
„Na endlich….“ stöhnt Aki genervt…
„Was denn, wir sind doch pünktlich?!“ …der soll sich mal nicht so anstellen… es ist 10 Min. vor neun.
„Stimmt, es gab schon schlimmere Tage.“ grinsend klopft er mir auf die Schulter.
„Also, das ist Nora, meine Nachbarin und das ist Linda, ihre Freundin.“
„Lass uns das mit dem `Kennen lernen` später machen. Wir müssen erst mal aufs Schiff.“ meint der besserwisserische Eero. Stimmt, mit dem hab ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen, er hat immerhin Aki auf mich los gelassen, um meine Wohnung zu kontrollieren….

 

°Nora°
“Das ist ja ein riesen Ding.” Ich stehe schon drauf und kann es immer noch nicht fassen.
„Los geh weiter!“ drängt mich Linda, weil sich hinter mir schon eine Schlange gebildet hat.
Allesamt dackeln wir erst mal zur Bar. Ich hätte die nie gefunden, wenn Lauri nicht vor raus gegangen wäre. Treppe runter, Treppe hoch… kurz übers Deck, auf der anderen Seite wieder rein… Der muss hier schon öfters Nächte verbracht haben.
Wir machen es uns an einem der großen Tische bequem. Immerhin sind wir acht Leute, irgendwie hab ich Angst, dass ich nachher verloren gehe…. So doof wie das auch klingt.
Lauri sitzt neben mir und winkt `cool` die Kellnerin ran.
„Erst mal sechs Jägermeister und ein Bier. Was wollt ihr?“
Er blickt durch die Runde, bleibt bei mir hängen und schaut mich fragend an.
„Ich hasse Jägermeister“ sage ich, während sie anderen schon bestellten.
„Wer sagt, dass einer davon für dich ist?“ sagt er ernst. „ICH hab Durst!“
„Oh, achso“
°Lauri°
Das Licht ist zwar ein wenig gedämmt, doch ich sehe wie Nora rot wird.
Ich und sechs Jägermeister... will doch nicht gleich inner Ecke liegen… also nicht, dass ich davon schon dicht wäre, aber ich würde es merken… ein bisschen.
„Linda, was trinkst du?“ fragt sie an mir vorbei ihre Freundin.
Oha… ich sitze zwischen zwei Mädels…uhhhh….
„Sex on the beach.“
„Okay, ich nehme das Gleiche wie sie.“ sagt Nora zu der älteren Dame, die etwas kräftiger ist und sich zu knapp angezogen hat… bahh!… ich kann gar nicht hinsehen.
„Was guckst du denn so angewidert“ reißt mich Eero aus meinen Gedanken-Selbstgesprächen, wendet sich jedoch sofort wieder ab, weil Nea ihn beginnt durch zukitzeln. Die beiden zusammen sind immer der reinste Kindergarten. Schon total lange befreundet und wie ich es mitgekriegt habe, will auch jeder was von dem anderen, aber sie haben sich noch nie getraut es dem anderen zu sagen…
Wovor haben die bitte Angst?
„Ahhh, die Getränke“ kündigt Aki freudig an und leckt sich die Lippen.
„Sex on the beach, sex on the beach!” freut sich auch Nora neben mir.
“Stehst du drauf?” ginse ich versaut.
Sie hebt eine Augenbraue. „Ja ich, mag das Getränk“ sagt sie extra deutlich und schaut wieder weg.
Mist!
„Die sechs Jägermeister?“ fragt die `Dame`- Igittigitt.
„Nur die zwei bekommen keinen“ Ich deute auf Eero und Nea. Die Yoga- Ingwertee-Fratzen.
„Ach ich bekomme doch einen?“ fragt Nora verwundert.
„Ja, aber dafür musst du ihn auch trinken.“
„Bähhh, der schmeckt aber nicht.“ sagt wie angewidert.
„Trink einfach nen Schluck von deinem Cocktail hinterher, dann geht’s. Im Laufe des Abends wirst du dich dran gewöhnen keine Sorge.“